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Times Mager

Opium

  • VonChristian Schlüter
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Ist Religion wirklich nur die Droge für alle, die sich über die herrschenden Verhältnisse täuschen lassen? Oder lassen sich die Ungläubigen von der Fortschrittsfähigkeit der Gläubigen täuschen? Von Christian Schlüter

Selber schuld. Oder, anders gesagt: Man kann auch zu schnell mit einer Sache fertig geworden sein. Zum Beispiel mit der Religion. Immer noch glauben wir zu wissen, dass es sich hierbei, einem Marxschen Bonmot folgend, um Opium für das Volk handele. Also um eine intellektuell eher dürftige Veranstaltung für geistig Zurückgebliebene, für Denk- und Nervenschwache, für Kindsgemüter und Weltflüchtige. Religion, so hält sich eine Einsicht besonders hartnäckig, ist für all jene, die sich einerseits gerne über die gesellschaftlichen Verhältnisse täuschen lassen und andererseits immer noch nicht verstanden haben, dass und warum Gott unwiderruflich tot ist.

Das alles ist ja total richtig. Irgendwie. Trotzdem glauben die Menschen immer noch. Sei es nun aus Schwäche, Trotz oder sogar guten Gründen, gewiss aber zunehmend auch in liturgisch, theologisch und konfessionell nicht immer klaren, mitunter vollkommen unzureichenden Formen. Im Hinblick darauf müssen sich die Religionsverächter allemal bestätigt fühlen und in den kuschelreligiösen Bedürfnissen mitsamt der ihnen entgegenkommenden Angebote auch der Amtskirchen vor allem ein spirituelles Drogenproblem sehen.

Klüger wäre es allerdings, hier unsere Entwöhnung vom existenziellen Ernst religiöser Sprachspiele zu beklagen. Nicht, um in der gebotenen Strenge wieder an einen Gott zu glauben, sondern um überhaupt zu verstehen, was Aufklärung uns noch wert sein sollte. Sonst machen es wieder die anderen. Etwa Papst Benedikt XVI., der gestern in seiner Botschaft zum "Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel" eine Offensive im Cyberspace angekündigt hat: "Die digitale Welt stellt Mittel zur Verfügung, die nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Kommunikation bieten, und eröffnet damit bemerkenswerte Perspektiven der Aktualisierung in Bezug auf die Ermahnung des Heiligen Paulus: ,Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! (1. Kor. 9,16)".

Na, wenn da nicht wieder Drogen in den Umlauf gebracht werden sollen! Und die professionellen Aufklärer in den Zeitungen diskutieren immer noch Bezahlmodelle fürs Internet

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