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Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker der FR.
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Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker der FR.

Times Mager

Opferschau

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Kinder präsentieren sich gern vor Kameras, sind für die Medien leichte Beute. Dass sie nah am Wasser gebaut haben, stört auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen niemanden. Von Daniel Kothenschulte

Morgen ist Freitag der 13., der passt ja gut", hieß es am späten Donnerstagabend in der ARD-Sendung "Der Tag danach - Trauer und Ratlosigkeit in Winnenden". Taktlosigkeiten entstehen manchmal aus der Spontaneität von Live-Schaltungen und sind so vielleicht verständlich. Doch die Fernsehjournalisten Benjamin Cohrs und Michel Stempfle hatten sich ihr Schlusswort aufgeschrieben und in der relativen Ruhe eines Schneideraums im SWR auf Band gesprochen.

Etwas Besseres war ihnen eben nicht eingefallen, denn Ratlosigkeit herrscht derzeit nicht nur in Winnenden. Schon kurz nach der Tat hatte die ARD-"Tagesschau" damit begonnen, Kinder vor die Kameras zu holen, ohne schriftliche Einwilligung der Eltern ist so etwas strafbar. Einen etwas dicklichen blonden Jungen um die zehn Jahre sah man später auch noch bei RTL mit seinen beiden Freunden. Viele Kinder präsentieren sich gern vor Kameras und sind für Journalisten leichte Beute. Dass sie dann doch nah am Wasser gebaut haben, stört auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen niemanden. Man nennt es human interest.

Im ARD-"Nachtmagazin" hat Reporterin Julia Göhrs eine etwa Elf- bis Zwölfjährige vor die Kamera bekommen, die schon zu Beginn des Interviews weint. Kein Wunder: Ihre Freundin ist tot. "Und hat man dir schon helfen können?", fragt Göhrs scheinheilig. Das weinende Kind erzählt tapfer von einer Psychologin, die ihr geholfen habe - und "ein bisschen Ablenkung" empfohlen.

Mit der rhetorischen Frage des "Warum?" hatten ARD-Reporter bereits seit den frühen Morgenstunden die Trauenden traktiert, dann mit der unwidersprochen übernommenen Falschmeldung von der Ankündigung des Attentats aufgeschreckt. Was mögen Trauernde davon halten, wenn man ihnen sagt, die Tat sei vielleicht zu verhindern gewesen? Seit gestern nun kann man auf der Webseite der Tagesschau nachlesen, woran man derartige Fälschungen erkennen könne.

Es geht hier nicht mehr nur um Fragen journalistischer Ethik, es geht um Opferschutz. Denn warum lernt das öffentlich-rechtliche Fernsehen nichts aus früheren Fehlern und verstößt gegen die Menschenwürde - insbesondere die der Kinder.

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