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Müssen Sie auch nachschlagen, was opak heißt?
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Müssen Sie auch nachschlagen, was opak heißt?

Times mager

Opak

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Ein trauriger Spaziergang an einem Sommerabend bei Gesprächen über medioker und opak.

Wieder ein trauriger Abend, der Spaziergang führte durch ein Ami-Viertel – Ami, ein tief abgelagertes Großelternwort, B. und J. wurden sofort melancholisch –, das wie ausgestorben wirkte. Die Balkons leergefegt, leer auch die Spielplätze, zahllose Spielplätze, auf denen sich elastische amerikanische Kinder auf lustigen Pilzen und in komplexen Architekturen hätten austoben und für Olympia trainieren können. Die Spielplätze waren jedenfalls weit fantastischer ausgestattet als die Häuser. Die Häuser frappierten durch einen kargen Look. Auch die Spielplätze hätten Auffrischung vertragen, aber Kinder hätte das nicht gestört, wären welche da gewesen. Sehe das nicht aus, als wohnte seit Jahren keiner mehr hier, fragte J., seit hundert Jahren ungefähr?

Aber B. steckte mit Haut und Haaren in der Gegenwart fest. Sie erzählte: Alles geschehe irgendwann einem selbst zum ersten Mal, und jetzt habe sie zum ersten Mal zu ihr vorgesetzten Leuten gesagt, sie sollten sich schämen. Ein in der Sache unsinniges Unterfangen, so B., dabei habe sie es nicht nur rhetorisch gemeint, sondern durchaus moralisch-didaktisch, außerdem neugierig. Man habe sie natürlich vorher und nachher volle Kanne auflaufen lassen, aber B. wollte das Auflaufen-Lassen nicht kunstfertig nennen, eher sei es ihr erstaunlich stumpfsinnig und abgesprochen vorgekommen.

Dass immer das Mediokre gewinne, sinnierte B. dann in anderem Zusammenhang, was J. an die Zeit erinnerte, als sie, B. und andere im Seminar hektisch nachschlugen, was der Kommilitone mit opak meinte. Heute wisse sie, so J., was medioker und opak heiße, aber sie wisse auch, dass man mit solchen Wörtern nicht mehr sage als mit Aller-welts-Wörtern. Denn auf diesem Spaziergang ging es etwas grundsätzlich und resignativ zu. Stimmt, sagte also die ausgelaugte B., die trotz ihrer geisteswissenschaftlichen Ausbildung heute im weitesten Sinne in der Autobranche tätig ist. Dort und nur dort könnten solche Szenen stattfinden, betonte B. noch. J. war ausnahmsweise froh, in der Medienbranche tätig zu sein, wo viel schiefgeht und den Bach runter. Aber, so J., B. habe recht, in eine solche Situation werde man dort, wo sich schließlich alles um gute, klare, auch gut terminierte Kommunikation drehe, von Vorgesetzten nicht gebracht, niemals.

Jetzt kam ein Haus, aus dem laute und sehr schlechte Rockmusik ertönte. Irgendwo müssten doch noch Menschen sein, stellte B. fest. Ein junger Mann mit einem Kinderwagen näherte sich zwar, aber der Kinderwagen war leer, als sollte unbedingt ein weiteres Bild dafür her, dass es hier wirklich keine Kinder gab. Am Ende, klar, fing es an zu regnen.

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