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Lord Voldemort.
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Lord Voldemort.

Times mager

Omen

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Lord Voldemort anzusprechen, wäre verhältnismäßig einfach. Andere Namen bringen in größere Verlegenheit. Heute ein Beispiel aus dem konsularischen Bereich.

Belustigt erinnern wir uns an die Zeiten, in denen eine Frau Gisela oder Irene hieß oder Elke oder Gerda und ein Mann Helmut oder Karl-Heinz, Herbert oder Wolrad. Oder Traugott. Na gut, manche erinnern sich nicht. Aber vielleicht können wir uns trotzdem darauf einigen, dass es vor hundert Jahren in Deutschland einfacher war, das Geschlecht eines Menschen, mit dem man im Briefverkehr stand, anhand des Vornamens zu ergründen.

Die ganz und gar lobenswerte Herkunftsvielfalt, die heute in zivilisierten Gegenden der Bundesrepublik vorherrscht, schafft jedoch verzwickte, ja verfahrene Situationen. Betroffen sind Zeitungsredakteure, die Stunde um Stunde mit der Frage verbringen, wie sie auf eine gewisse E-Mail antworten sollen.

Das Schreiben stammt von einer Person, deren Name hier selbstverständlich nicht genannt werden darf (nein, nicht Lord Voldemort, das wäre ja einfach). Die Person arbeitet für das Konsulat eines befreundeten, aber fernen Landes. Der Vorname der Person umfasst vier Buchstaben in einer Reihung, wie sie bisher unbekannt war, jedenfalls dem Autor.

Es geht um die Anrede. Wie soll die E-Mail beginnen? Sehr geehrte oder sehr geehrter? Saloppe Formen sind keine Lösung (Liebe? Lieber? Werte? Werter?) oder völlig unangemessen (Hallo?), immerhin ist dies der Erstkontakt mit einer offiziellen Vertreterin eines anderen Staates. Oder mit einem offiziellen Vertreter. Das ist ja das Problem. Manches, vor allem der vierte und damit letzte Buchstabe des Vornamens, deutet darauf hin, dass es sich um eine Frau handelt. Und wenn nicht?

Wäre man bloß noch jung. Das würde so vieles erleichtern, auch das mit dem Geschlecht. „Bist du’n Junge oder’n Mädchen?“ war in unserem Kindergarten die absolute Standardfrage an alle, die neu in die Gruppe kamen, und fast niemand war deshalb beleidigt. Aber wer wurde je von einem Journalisten angerufen und gefragt: „Verzeihung, nur wegen der Anrede – sind Sie männlich, weiblich oder divers?“

Das Problem ließ sich letztlich nicht seriös lösen, und zugegeben, es nagt immer noch. Vielleicht hätte man einfach doch anrufen und etwas ganz anderes fragen sollen („Feiern Sie eigentlich auch Weihnachten?“, „Wer hat Ihr wunderschönes E-Mail-Design layoutet?“, „Wie spät?“). Aber was, wenn auch die Stimmlage nicht den entscheidenden Hinweis erbracht hätte? Hinfahren? An der Tür klingeln? Auf Englisch antworten?

„Guten Morgen, Xxxx Xxxxx.“ Besser ging’s einfach nicht. Und wie gesagt, es nagt.

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