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Die Betonung des Worts „Okay“ kann dessen Bedeutung verändern. So kann es ebenso „Wow, Überraschung!“ heißen.
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Die Betonung des Worts „Okay“ kann dessen Bedeutung verändern. So kann es ebenso „Wow, Überraschung!“ heißen.

Times mager

Okay

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Sie denken, nur die Chinesen nutzen Tonhöhe und Sprachmelodie, um den Sinn von Wörtern zu verändern? Das können wir auch, mit einem kleinen Wort.

Wie ja alle wissen, bedeuten Wörter oder Silben im Chinesischen ganz unterschiedliche Dinge, je nachdem, in welcher Tonhöhe und Melodie sie ausgesprochen werden. Aber bei aller Liebe zur hohen Kunst des Sprechens in einer asiatischen Großmacht: Wir können das auch. Nur bei einem Wort, aber immerhin.

Das Wort lautet: Okay. Frühere Generationen und alle, die davon übriggeblieben sind, kannten und kennen in all ihrer spießigen Langweiligkeit nur einen einzigen Umgang mit diesem Begriff: „Okay“ hieß „in Ordnung“ und wurde ungefähr in Form einer absteigenden Quinte ausgesprochen. Wenn Sie es nicht glauben, singen Sie mal „Okay“ auf die ersten beiden Töne der Tagesschau-Melodie, das passt.

Nun ergibt eine Tiefenrecherche im Internet, die fast bis zur zweiten Seite der Ergebnisliste reicht, dass „Okay“ angeblich immer noch „In Ordnung“ heißt, weil irgendein lustiger Geselle in den USA vor knapp 200 Jahren die Wörter „All correct“ mit „o.k.“ (oll korrect) abkürzte. Dieser Spaß mit falschen Abkürzungen soll damals in Mode gewesen sein, heißt es.

Das ist eine ganz okaye Erklärung, wie die Jugend von heute in gewaltsamer Beugung eines eigentlich unbeugsamen Begriffes sagen würde, aber sie trifft es nun wirklich nicht ganz.

Wer heute „Okay“ sagt, kann zwar „In Ordnung“ meinen (Quinte abwärts) oder gar begeistert beipflichten (größere Tonhöhe und kleine Terz abwärts, siehe „Kuckuck, Kuckuck...“). Aber „Okay“ kann auch heißen „Ah ja, red erstmal weiter“ (absteigende Quinte mit chromatisch aufsteigender Tonleiter bei „kay“). Es kann ebenso heißen „Wow, Überraschung!“ („O“ und „kay“ auf dem gleichen Ton mit anschließend aufsteigender Tonleiter beim „ay“) oder, die gleiche Melodie, aber Tonhöhe und Lautstärke etwas gesteigert: „Um Himmels willen, das ist ja furchtbar!“

Es liegt auf der Hand, dass an dieser Stelle nicht mit Noten gearbeitet werden kann. Es wird dennoch darum gebeten, sich die folgenden Dialoge aus Gründen der Übung und des Friedens zwischen den Generationen laut vorzulesen, und zwar so, dass das „Okay“ nicht als „In Ordnung“ missverstanden werden kann.

Erstens: „Ich muss dir unbedingt erzählen, was mir gestern passiert ist.“ – „Okay.“ Zweitens: „In der Fahrertür meines Autos war plötzlich eine riesige Beule.“ – „Okay.“ Drittens: „Ich habe das Auto, das mir reingefahren ist, noch wegfahren sehen, aber der Typ hat mich mit einer Waffe bedroht.“ – „Okay!“

Am besten wäre es natürlich, wenn Sie ein Klavier hätten oder ein Kind mit Blockflöte, um sich beim Üben zu begleiten. Aber Sie kriegen es auch so ganz okay hin.

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