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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Ohrwurm

In einer Werbung sieht man derzeit Personen, die eine bestimmte Melodie pfeifen. Es ist "In der Halle des Bergkönigs", dem 4. Stück der 1. Peer-Gynt-Suite von Grieg. Von Judith von Sternburg

In einer Werbung sieht man derzeit Personen, die sich im öffentlichen Raum bewegen und eine bestimmte Melodie pfeifen. Es ist das Vorwärtstrappeln aus "In der Halle des Bergkönigs", dem 4. Stück der 1. Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg. Wer in der Werbung einem Pfeifenden die Hand gibt oder berührt, was ein Pfeifender berührte, pfeift auch sogleich. Allerdings geht es nicht darum, dass gute Laune ansteckend ist, sondern vielmehr darum, dass viele andere Sachen ansteckend sind, die kein Mensch haben will. Der Spot gehört zur Kampagne "Wir gegen Viren" des Robert-Koch-Instituts.

Auch wer die Melodie mag, kann sich der Argumentation kaum verschließen: Pfeifende im öffentlichen Raum sind nur rein theoretisch erheiternd und Ohrwürmer kurz eine Freude. Die Musikauswahl im speziellen Fall hat weitere Vorzüge. Matineegänger werden sich daran erinnern, wie Peter Lorre sie in "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" auf Untat sinnend auf den Lippen hatte.

Theatergänger werden wissen, dass sich in der Halle des Bergkönigs in Henrik Ibsens "Peer Gynt" Spitzbuben tummeln, die zudem dringend einer Auffrischung ihrer schlappen Erbmasse bedürfen (ein weiteres interessantes medizinisches Problem und Thema für einen Aufklärungsfilm). Ahnungslose schließlich werden auf ein schönes Stück Musik aufmerksam gemacht.

Wir möchten hier eine "In der Halle des Bergkönigs"-Bewertung von der Internetseite www.myvideo.de zitieren. "hmm ist zwa voll alt aber trotzdem die melodie ist so geil". Ein erschütterndes Dokument, weniger der zwanglosen Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung wegen, sondern weil es so viele weitere, äh, geile Melodien gibt. Und so viele Menschen bekommen sie nie zu hören, weil sie denken, die seien voll alt.

Wir schließen mit einer Anekdote. Im Fernzug summte allen Ernstes ein Mitreisender "In der Halle des Bergkönigs" vor sich hin. Da war die Reisende aber den ganzen Tag über auf der Suche nach der jeweils nächsten Möglichkeit, sich die Hände zu waschen. Anders als im Werbefilm war sie die Melodie anschließend jedoch nicht los. Eher wurde es noch schlimmer. Das ist doch wieder typisch Werbung.

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