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Ähnlichkeit eines Autospiegels zu lebenden Personen? Mitunter 15 Prozent.

Times mager

Ohrentasse

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Die seltsamen Launen eines Bildererkennungsprogramms: Warum neigt es dazu, einen Menschen als Autospiegel zu identifizieren?

Die Vorstellung, die sich ein Mensch – nennen wir ihn S. – von sich selbst macht, kann von einem Bilderkennungsprogramm durchaus beeinflusst, ja, erschüttert werden. Denn zwar fand sich S. keineswegs zu einem Käfer, eigentlich gar nicht zu etwas Lebendigem von anderer Art und Gestalt verwandelt (Giraffe, Springfloh, Karpfen, Schleiereule, Erdmännchen, um nur einige zu nennen). Verwandelt allerdings zu unbelebten Dingen, was S. letztlich mehr zu denken gab, als es die Giraffe-, Springfloh-, Karpfen-, Schleiereule-, Erdmännchenvariante getan hätte.

Denn das Bilderkennungsprogramm, das das Gesicht von S. zu bewerten hatte (wie es auf einem Ausweisfoto wiedergegeben war), war der erstaunlichen Meinung, S. sei mit immerhin 15-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Autospiegel. Das, fand S., bedürfte doch mindestens einer Erklärung vonseiten der solches behauptenden Software. Blinkt und glänzt die Nase? Gleich so arg? Ist das Gesicht mehr breit als hoch? (Letzteres ist doch eigentlich auszuschließen.) Ein Außenspiegel sein zu sollen, das wäre in dem Zusammenhang schon schlimm genug. Ein eckiger Innenrückspiegel eine Unverschämtheit. Gegen diese Software ist Trump ein Charmeur.

Dann kam, mit elf Prozent Wahrscheinlichkeit, die Kerze. Es ist offensichtlich, dass Autospiegel und Kerze nicht ganz die gleiche Form haben. Und das ist – aus Rücksicht auf die Gefühle des Bilderkennungsprogramms, so es welche hat – noch freundlich ausgedrückt. Nun ja, es gibt ziemlich breite, kurze Kerzen, aber seit wann hat eine Kerze Ohren? Und braune Haare? Da läge es doch allemal näher, S. zum Beispiel für einen Dackel (17 Prozent) oder eine Ohrentasse zu halten (22 Prozent).

Noch einmal entschied sich das Programm für etwas potenziell Feuriges: S., so befand es, sei mit immerhin noch siebenprozentiger Wahrscheinlichkeit ein Feuerzeug. Nun hat es nichts Ehrenrühriges, ein Feuerzeug zu sein; selbst dann nicht, wenn man kein Raucher ist. Ein Feuerzeug kann auch ein Lagerfeuer oder ein Freudenfeuer entzünden, ein Kaminfeuer oder kompromittierende Liebesbriefe/Steuerunterlagen/Fotografien, auf denen man aussieht wie ein Autospiegel oder ein Feuerzeug.

Allerdings soll sich die Software doch, bitte schön, erst mal auf Menschen konzentrieren, die eine größere Ähnlichkeit mit einem Feuerzeug haben. Solche mit gelb züngelnden Haarschöpfen zum Beispiel. Oder mit rot glühender Gesichtsfarbe. Oder welche, aus deren Mund so heiße Luft schießt, dass diese die Umgebung versengt.

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