Trumps Herrschaft basiert auf Lug und Trug.
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Trumps Herrschaft basiert auf Lug und Trug.

Times mager

Ohne Moral

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Mythen haben gegenwärtig einen schweren Stand. Denn wo kein Falsches und kein Richtiges, ist die Beunruhigung umso größer.

Sich nach dem Nichtnormalen umzuschauen, kann sehr strapaziös sein. Ist nämlich nicht bloß anstrengend, sondern wahrhaftig aufreibend. Und ist umso gemeiner, weil es offensichtlich nicht für die vom Schicksal gesegneten Naturen gilt, all die Glückspilze. Deren Schicksal, dass ihnen keine Arbeit in ihrem Leben zur Schwerarbeit wird. Zur Strafarbeit? Ach, nicht doch. Was ein solcher Mensch, ob Hans im Glück, Goldmarie oder Glückskind, was die 3 (er, sie, es) anfassen, wird jeweilig zu „Gold“ – auch wenn es dem Hans dann doch nicht beschieden war. Ergo: Durch welche Argumentation kommt man schon glatt durch, glücklich?

Nicht gegen das Glückliche, wohl aber gegen das Glatte sperrt sich der desillusionierende Realitätssinn des Märchens. Wer spekuliert, kann zum Hans im Glück werden, muss aber nicht. Denn der Hans ist ja kein „Hans im Glück“, überhaupt nicht! Vielmehr, so die Moral, eher ein Pechvogel. Doch warum? Hans der Gierige ist nicht unschuldig daran, dass er ein Unglückswurm ist. Garstige Wörter – hässliche Vorstellungen.

Das Märchen lässt nicht unbeteiligt, so wenig wie die Mythen, die großen und die kleinen. Es gibt vielerlei Möglichkeiten, sie zu katalogisieren (zu kategorisieren!). Es gibt gute und böse, es gibt seit ewigen Zeiten aufregende. Die „Odyssee“ ist ein Mythos, Siegfried ist die Personifikation eines Mythos. Der über die Bibliothek von Alexandria von anderer Art als der über das sagenhafte Atlantis oder der über Adam und Eva oder der über das ägyptische Totenreich.

Sicherlich fehlt selbst den großen Märchen vieles, was die großen Mythen ausmacht. Märchen bieten Lesarten des Lebens – Mythen Welterklärungsentwürfe. Umso auffälliger, dass der Mythos einen so miserablen Ruf hat. Etwa wegen eines Trump, weil er Hirngespinste verbreitet und seine Herrschaft auf Lug und Trug basiert.

Mythen haben ihren Eigensinn, es gibt freundliche oder tückische, achtbare oder abgefeimte, rechtschaffene oder rassistische – gewaltig ihr Spektrum. Ist aber etwa der Siegfried-Mythos nun ein richtiger oder ein falscher? Es ist ein Köhlerglaube, wenn man meint, Mythen ließen sich so sortieren. Ist die Sintflut ein richtiger oder ein falscher? Sie ist ein wirkmächtiger, nicht anders als der Mythos von Sisyphos. Und die Moral aus dieser Einsicht in den Mythos: Es gibt nicht immer eine. Wo aber kein Falsches und kein Richtiges, ist die Beunruhigung umso größer. Das ist Glück oder Pech, kommt ganz drauf an.

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