Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Will vielleicht gar kein Bein auf den Boden bekommen: XY.
+
Will vielleicht gar kein Bein auf den Boden bekommen: XY.

Times mager

Oblomow

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Wie muss man sich heute einen stinkfaulen Angestellten vorstellen? Ein bisschen wie Oblomow, nämlich tagein, tagaus im Schlafrock auf dem Sofa ruhend?

Er werde, spricht der etwa 50-jährige Anzugträger vernehmlich in sein Mobiltelefon, den XY dermaßen gegen die Wand fahren lassen, „der-ma-ßen“ sagt er, dass man als unfreiwillig Mithörende sofort davon überzeugt ist, dass er den XY gegen die Wand fahren lassen wird. Bei welcher Tätigkeit auch immer. Denn man muss doch wohl etwas tun, um überhaupt gegen eine Wand fahren zu können. In der Bankenstadt möchte man den Anzugträger für einen Banker halten, aber das mag ein Vorurteil sein, beruhend darauf, dass Banker ihren Beruf zuletzt ganz schön selbst gegen die Wand gefahren haben. Er werde, so der Anzugträger desweiteren, dafür sorgen, dass der XY kein Bein mehr auf den Boden bekommt.

Aha, denkt man, XY hat sich eingemischt, wo er nicht sollte, gedrängt vermutlich, in die falsche Richtung nach Meinung des Anzugträgers. Aber dann fällt das in diesem Zusammenhang erstaunliche Wort „stinkfaul“ (eher im James-Bond-Rhythmus: „faul! stink! faul!“). Wieso, fragt sich die unfreiwillige Zuhörerin, soll hier einer davon abgehalten werden, ein Bein auf den Boden zu bekommen, wenn es dem Anzugträger doch unerhört („un-er-hört!“) erscheint, dass XY gar nicht erst versucht hat, ein Bein auf den Boden zu bekommen?

Wenn er erregt war

Denn nun stellt sich die Zuhörerin XY als tagelang im orientalischen Schlafrock ruhenden Oblomow vor. Sie kann gar nicht anders, da sie sich derzeit auf längeren Fahrten „Oblomow“ vorlesen lässt vom fabelhaften Christian Brückner. Der etwa anfangs liest:

„Seine Bewegungen wurden, selbst wenn er erregt war, durch eine gewisse Sanftheit und eine der Grazie nicht entbehrende Trägheit gedämpft. Wenn ihm eine Sorgenwolke aus der Seele aufs Antlitz glitt, umzog sich sein Blick, auf der Stirn erschienen Falten, und es begann ein Spiel des Zweifels, der Trauer, des Schreckens; doch diese Unruhe erstarrte selten in der Form einer bestimmten Idee und verwandelte sich noch seltener in ein Vorhaben. Die ganze Erregung löste sich in einen Seufzer auf und erstarb in Teilnahmslosigkeit und Hindämmern.“

Stunden später hört man vom schreibenden Oblomow, oder vielmehr: vom dies und das ankündigenden Oblomow. Aber mal fehlt die Tinte. Mal fehlt das Papier. Mal gefällt es ihm nicht, zwei gleich gebaute Nebensätze hintereinander zu haben, so dass er den Entwurf wegwirft. An dieser Stelle übrigens seufzte die Zuhörerin wahrhaft oblomowsch. Sie müsste, zugegeben, dieses Times mager nicht einmal zerknüllen, um es zu beseitigen. Aber würde sie rechtzeitig vor dem Redaktionsschluss ein anderes Bein auf den Boden bekommen?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare