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Bücher-Challenges gehen derzeit viral - helfen aber auch nicht bei der Frage weiter, wie herum man eine Maske trägt. Oder am bequemsten liest.

Times mager

Oben & unten

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Das Maskentragen: eine Wissenschaft für sich.

Obwohl die große Challenge dieser Tage Corona heißt, bringt das große C. doch viele kleine Cs mit sich. Das fängt damit an, bei der selbst genähten Schutzmaske (wie schuftig wäre das denn, medizinische Masken wegzukaufen, als wären sie Klopapier? Die Maske allerdings dann doch nicht von einem selbst selbst genäht, was im Gebrauch gleich zur ersten Challenge führt), bei dieser Maske also herauszufinden, wo oben und unten ist. Lässt sie sich so rum glatter unters Kinn ziehen? (Fummel) Oder sitzt sie andersrum dichter auf dem Nasenrücken? (Fummelfummel) Oder fühlte es sich vorher doch, hm, richtiger an? Oder (Verdacht!) gibt es gar kein Oben und Unten, nur ein Innen (weißer Stoff) und Außen (geblümter Stoff, damit es ein bisschen optimistisch aussieht, und als ob wir uns gar nicht fürchteten)?

Der moderne, pandemieungewohnte Mensch möchte nicht nur das Maskentragen, möchte alles irgendwie richtig machen. Er war schon vor Corona ein williger Selbstoptimierer (oder wurde durch andere Selbstoptimierer angesteckt, exponentiell). Jetzt muss der nicht systemrelevante Teil der Menschheit von der Couch aus beweisen, dass er a) Einfälle hat, egal welcher Art und Sinnhaftigkeit, b) nicht zu faul ist, ihnen zu folgen. 102 Liegestütz machen zum Beispiel. Auf dem Balkon einen Halbmarathon laufen. Das Blümchenmuster vom Maskenstoff an die Toilettenwände malen. Nimm das, du Virus!

Gerade noch wäre der Beweis, was für ein Kerl man doch ist, auch mittels einer besonders ausgefallenen Reisedestination möglich gewesen, Hinterborneo vielleicht oder Unter-Ostern (hier möchte das Times mager zwanglos anmerken, dass es Unter-Ostern bereits durchwandert hat, als Unter-Ostern noch ein weißer Fleck auf der Odenwaldkarte war). Jetzt (Reisesperre!) muss eine andere Challenge her, eine, die Unsportliche nicht ausschließt, solange sie, zum Beispiel, lesen können und es auch tun.

Wie die, natürlich britische, „Hundert Bücher, die Sie vor Ihrem Tod noch lesen sollten“-Challenge (besonders fies durch die Nennung von Dan Brown, „The Da Vinci Code“, dessen Lektüre an sich ja kaum zu überleben ist). Und, weniger zeitaufwendig, die Sieben-Buchcover-in-sieben-Tagen-Challenge, die mit der schönen Idee begann, Bücher zu fotografieren und kommentarlos auf Facebook zu stellen, die im Leben der betreffenden Person wichtig sind. Eine Herausforderung, die bald auch Angeber anzog mit Büchern, von denen sonst keiner ahnte, dass sie jemand geschrieben, geschweige denn gedruckt haben könnte. Aber auch hier fehlt die „Anleitung zum Anlegen von selbst genähten Schutzmasken unter besonderer Berücksichtigung der Frage, wo oben und unten ist“.

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