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Times Mager

Von oben

Die Fernsehbilder aus Port-au-Prince haben den karibischen Traum, den es dort so wohl nie so recht gab, in den letzten Tagen erschüttert. Es war schon immer eine Frage des Standorts und der Perspektive. Von Harry Nutt

Zur Empathie mit den Opfern des Erdbebens von Haiti bedarf es nicht zuletzt geopolitischer Aufklärung. Nicht immer wird man damit so ausführlich versorgt wie durch das Gespräch mit dem Schriftsteller Hans Christoph Buch (siehe FR von gestern).

Wenn man sich seine geographische Ahnungslosigkeit einmal eingestanden hatte, genügten zur ersten Orientierung vielleicht ein paar lexikalische Informationen. Nicht wenige werden erst jetzt gelernt haben, dass Haiti auf der Hispaniola genannten Insel gelegen ist, die es sich mit der Dominikanischen Republik teilt.

Ein Übriges tat ein Blick auf den Globus oder auch nur in den Atlas. Er verdeutlicht die Nähe zu den USA. Das arme Land in der Karibik liegt in unmittelbarer Nähe zu den begehrten Urlaubszielen der Amerikaner, die selbst hierzulande die Vorstellung vom Luxuriösen anreichern.

Die Fernsehbilder aus Port-au-Prince haben den karibischen Traum, den es dort so wohl nie so recht gegeben hat, in den letzten Tagen erschüttert. Es war schon immer eine Frage des Standorts und der Perspektive.

Gezeigt wird das zerstörte Inselland immer häufiger aber auch von oben. Anstelle von gut strukturierten Landkarten verwenden die Fernsehsender zu diesem Zweck die spacigen Landansichten von Google-Earth. In beschleunigter Kamerafahrt zoomt sich ein imaginäres Auge von oben heran und zeigt, was da unten ist. Oder tut zumindest so.

Tatsächlich ist diese Art der Darstellung ein Medium der Desorientierung. Es soll den Eindruck des unmittelbar hineingezogen Werdens vermitteln. Alles, Berge, Flüsse und Häuser, scheinen sichtbar. Überblick erhält man allerdings nicht.

Aus medienkritischer Perspektive würde man wohl sagen, dass diese Art der Darstellung ein Versuch der Fernsehmedien ist, mit den digitalen Entwicklungen Schritt zu halten. Obwohl die Bilderwelt des PC den gediegenen TV-Panoramen unterlegen ist, mag kein Informationsmedium mehr auf aufpoppende Bilderrahmen verzichten.

Der Blick von oben suggeriert ubiquitäre Präsenz. Von oben herab und nah dran. Genau betrachtet bedeutet das nichts.

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