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Oachkatzl

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Von: Sylvia Staude

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Diese Kühltechnik wird uns noch beschäftigen.
Diese Kühltechnik wird uns noch beschäftigen. © Imago

Es wird bestimmt der neue Sommer-Trend: Splooten, was das Zeug hält, so wie die Eichhörnchen in New York.

Selbstverständlich bekamen nicht nur die Vögel, sondern auch die Oachkatzln im Winter Futter hingelegt, Hasel- und Walnüsse, noch originalverpackt in Schale. Denn man konnte nicht sicher sein, dass das Oachkatzl (Eichhörnchen für Nicht-Bayern) durchschläft bis zum Frühling, gab es doch auch damals schon ungewöhnlich warme, sonnige Wintertage, an denen sich – schau, Mami, schnell! – ein gegen die Regel putzmunteres Tier am wippenden Schweif verriet. Das Kind reihte also ein paar Nüsse auf die Terrassenbrüstung, zählte sie vorsichtshalber, zählte jeden Tag nach, war enttäuscht, wenn sie vollzählig blieben.

Eine Blindschleiche im Garten finden, okay. Die vielen unterschiedlichen Vögel beobachten, gut. Ein kleiner schnuffelnder Igel, besser. Am besten aber gefiel dem Kind das Eichhörnchen. Es nahm ihm nicht übel, wenn es von oben vom Baum runterkeckerte, runterschimpfte, allenfalls fand es das Kind ein bisschen schade, dass es nie diesen Schweif zu fassen bekam, denn der war doch bestimmt so weich und puschlig wie ein Staubwedel. Auf keinen Fall hätte das Kind daran gezogen. Ein- oder zweimal drüberstreicheln, das wär’s gewesen. Immerhin hatte es bei jeder Eichhörnchen-Sichtung Gelegenheit, das schönste, rundeste Wort der bairischen Sprache zu rufen: Oachkatzlschwoaf!

Der Anlass, dass wir auf das Thema Eichkatze, -kater kommen?

Die Stadt New York, in der auch die Eichhörnchen (squirrel für Englischsprechende) garantiert nie schlafen, hat ihre Bürgerinnen und Bürger just via Twitter zu beruhigen versucht: Geraten Sie angesichts von wie ein Bettvorleger herumliegenden squirrels nicht in Panik. (Rufen Sie nicht den Notarzt, rufen Sie auch nicht den psychiatrischen Dienst, versuchen Sie nicht, das Tier zu reanimieren, gehen Sie einfach weiter. Tipp: Vielleicht können Sie dem Beispiel des Eichhörnchens auch folgen.)

Die Stadt New York benutzt für die Haltung, die die US-Oachkatzln aktuell einnehmen, das Wort „splooting“. „An heißen Tagen halten sich Eichhörnchen kühl, indem sie auf kühlem Untergrund splooting betreiben (sich ausstrecken), um ihre Körpertemperatur zu senken“, verbreitet die Stadtverwaltung, zusammen mit dem Foto eines trotz der etwas lächerlichen Haltung doch gefasst wirkenden squirrels. Der britische „Guardian“, der darüber berichtete, fügte die hilfreiche Information an, dass so ein Eichhörnchen-Fell auf dem Bauch weniger dicht ist, weswegen das schlaue Tier in New Yorks Bullen(?)-Hitze genau das Richtige tue.

Die einerseits beruhigten New Yorker haben nun andererseits eine Diskussion darüber begonnen, was für ein Wort denn bitte „splooting“ sein soll. Das Times mager prophezeit: Egal, wie wir sie nennen, diese Kühltechnik wird uns noch beschäftigen.

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