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Times Mager

Null zu Null

  • VonHans-Jürgen Linke
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Konnte man Nicolas Anelka kurzzeitig für einen Robespierre des französischen Fußballs halten, einen gnadenlosen Vertreter von Tugend und Wahrheit gegen das marode Ancien Régime des unfähigen Trainertums, sieht jetzt alles anders aus.

Eine bleibende Erinnerung an die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wird das traurige Schicksal der Mannschaft unserer französischen Nachbarn sein. Und gäbe es zu „bleibend“ einen Komparativ, man müsste die geschliffene Formulierung des Nicolas Anelka noch bleibender nennen, die dem Trainer Raymond Domenech gewidmet war. „Va te faire enculer, sale fils de pute!“ lautete, so stand es auf der Seite eins der Sportzeitung L’équipe, der Satz, den er in der Halbzeitpause des Spiels gegen Mexiko beim Stande von 0:0 äußerte und den wir mit Rücksicht auf Leser unter 16 unübersetzt lassen wollen. Domenech soll, nicht ganz auf Augenhöhe und nicht mit dem gleichen rhetorischen Furor und Talent, entgegnet haben: „OK, tu sors“: Okay, du bist draußen.

Anelka ist nun mit dem kleinen Kapitel französischer Fußballgeschichte, das er geschrieben hat, nicht zufrieden, er wehrt sich. Erstens gegen Mannschaftskameraden, die er für Petzen hält: Dieser Satz, sagte Anelka, hätte nie die Kabine verlassen dürfen. Und das habe er auch nie, sagt Anelka andererseits, er habe diesen Satz nämlich gar nicht gesagt, jedenfalls nicht so, und er klagt gegen L’équipe, die seine Worte nicht genau wiedergegeben habe. Das ist schade, man hätte doch den genauen Wortlaut gern gewusst.

Andererseits ist die Sache sprachphilosophisch klar: Eine Zeitung muss sich auf Inhalte konzentrieren und die spezielle Emphase, mit der Sätze geäußert werden, erklären: Wollte Anelka mit einer kühlen, souveränen Geste seine Befreiung vom Rest des Spieles provozieren? War er zornig und in Mörderlaune? Hat er den Satz im Vorbeigehen aus dem Mundwinkel gezischt und nicht mit dem feinen Gehör des Angesprochenen gerechnet?

Schade daran ist, wie Anelka sich jetzt windet. Konnte man ihn eine kurze Zeitspanne lang für einen Robespierre des französischen Fußballs halten, einen gnadenlosen Vertreter von Tugend und Wahrheit gegen das marode Ancien Régime des unfähigen Trainertums, sieht jetzt alles anders aus: Die Revolution hat stattgefunden, aber sie war ein Irrtum. Ein neuer Nationaltrainer, eine neue Mannschaft werden die Sache richten müssen.

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