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Würde Papier nicht so gut brennen und dabei die Hände wärmen, gäbe es auch das schöne Liebesdramen-Verbrenn-Trio in der Oper "La Bohème" nicht. Von Judith von Sternburg

Würde Papier nicht so gut brennen und dabei die Hände wärmen, gäbe es auch das schöne Liebesdramen-Verbrenn-Trio in der Oper "La Bohème" nicht. Dennoch erregte es einiges Aufsehen, als bekannt wurde, dass britische Rentner in den kalten Tagen ihre Öfen und Kamine mit Büchern heizen. Der Grund ist - wie in Puccinis Oper - rein finanzieller Art.

Die Bücher, erstanden in Second-Hand-Läden für Bedürftige, sind deutlich billiger als Kohle. Natürlich widerstrebe einem das, wird eine Helferin zitiert, aber schließlich müsse die Ware aus dem Lager. Enzyklopädien gehen demnach besonders gut weg. Käufer berichteten, dicke festeingebundene Bände seien ideal für die Nächte. Kritiker empfahlen sogleich Alternativen wie Dung oder Zeitungsbriketts. Klar, mit Zeitungen kann man es ja machen.

Neben der katastrophalen Situation britischer Rentner und dem generell scharf abzulehnenden Verbrennen von Büchern tun sich hier aber weitere Aspekte auf. Würden all die Menschen, die jetzt befremdet sind, begeistert Bücher kaufen, die sonst keiner haben will, gingen diese nicht zu Niedrigstpreisen über die Ladentheke. Auch ist es doch ein Plus, dass das Buch eine so sinnvolle Zusatzfunktion erfüllt.

Disks und Videokassetten haben noch keinen heil durch eine eisige Winternacht gebracht, vom jämmerlichen Anblick eines Häufleins USB-Sticks über einem Kohleanzünder gar nicht zu reden. Und nicht zuletzt ist es wohl würdiger, einen Rentner zu wärmen, als sein Dasein als Bestandteil eines weiß angemalten Couchtischbeins zu fristen. Oder im Inneren ausgesägt zu werden, damit ein Fläschchen Likör lustig darin Platz findet. Das gibt es ja schließlich auch alles.

Tragisch ist indes die Vorstellung, dass unter den in Großbritannien verbrannten Büchern solche gewesen sein könnten, nach denen ein Mailänder oder Bottroper Kenner seit Jahren sucht. Malcolm Pipers "Enzyklopädie provencalischer Lerchen", Band 4, beispielsweise. Oder Hendrik Allamains zweibändige "Zusammenfassung der modernen Mittelhandknochenchirurgie" von 1953. Schon wird man neugierig und ärgert sich doch.

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