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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Nr. 7

Menschen in aller Welt sollten für eine Umfrage die besten deutschen Bücher benennen. Goethe rangiert bloß auf Position sieben - gleich zwei Mal überrundet von Michael Ende. Schockierend!

Anlässlich des heutigen Frankfurter Festtages mit überregionaler Ausstrahlung möchten wir auf das Befremden hinweisen, mit dem eine gewisse Liste in Deutschland aufgenommen worden ist. Es ist eine Liste, die das Goethe-Institut veröffentlicht hat: die Ergebnisse einer Umfrage, in der Menschen in aller Welt die ihrer Ansicht nach besten deutschen Bücher nennen sollten.

Wie, fragen nun Kritiker, konnte es passieren, dass Goethe auf einer solchen Liste nur auf Rang 7 kam? Mit dem „Faust“? Überrundet von Michael Endes „Die unendliche Geschichte“, Bernhard Schlinks „Der Vorleser“, Otfried Preußlers „Krabat“, Thomas Manns „Buddenbrooks“, Patrick Süßkinds „Das Parfüm“ und Michael Endes „Momo“? Michael Ende zweimal vor Goethe? Und wo bleibt überhaupt Günter Grass? Denn auf „Fausts“ siebten Platz – davon kann er sich rein gar nichts kaufen, sagt man da als Sportreporter – folgen dann noch Marlen Haushofers „Die Wand“ (huch), Hermann Hesses „Siddhartha“ (och) und Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (ah).

Würde man freilich in Deutschland nach dem besten italienischen Buch fragen, wären die Ergebnisse noch problematischer. Donna Leon würde die Liste vermutlich anführen, gefolgt womöglich neuerdings von Franka Potente. Wie, bitte sehr, soll man das in Rom erklären?

Kürzlich klagte die Tageszeitung Guardian ausführlich über das dramatisch nachlassende Interesse britischer Schüler an Fremdsprachen (natürlich Goethe zitierend: „Whoever is not acquainted with languages knows nothing of his own“). Die Hoffnung der Engländer allerdings, dass die Deutschen immerhin Englisch sprechen, kann man als Straßenpassant oder Bankkunde nicht bestätigen. Vermutlich werden wir uns bald alle überhaupt nicht mehr verstehen.

Aber egal. Am heutigen Samstag wird man in Frankfurt, i wo, nicht zum Museumsuferfest traben, sondern im Ohrensessel den „Faust“ studieren. Man wird – historisch haltlos – an einem vom Weihnachtsmarkt aufgehobenen Bethmännchen knabbern und beschämt die Brille abnehmen. Nichts soll Goethen, das Geburtstagskind, verärgern.

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