Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

9. November

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Zur Erinnerung an die Gedenkstunde zum 9. November 2010 in Frankfurts Paulskirche wird auch das Andenken an die Vorgeschichte gehören, darunter die Frage, ob der Gastredner Alfred Grosser ein würdiger Redner sei. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Grosser Befähigung und Befugnis zu einem solchen Vortrag abgesprochen, einerseits wegen seiner Haltung zur Palästinenserpolitik Israels, andererseits weil Grosser Martin Walsers Diktum von der „Moralkeule“ Auschwitz verteidigt hatte.

Zur Erinnerung an die Gedenkstunde zum 9. November 2010 in Frankfurts Paulskirche wird auch das Andenken an die Vorgeschichte gehören, darunter die Frage, ob der Gastredner Alfred Grosser ein würdiger Redner sei. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Grosser Befähigung und Befugnis zu einem solchen Vortrag abgesprochen, einerseits wegen seiner Haltung zur Palästinenserpolitik Israels, andererseits weil Grosser Martin Walsers Diktum von der „Moralkeule“ Auschwitz verteidigt hatte.

Vorgestern hat Grosser, im Anschluss an eine große Rede des Vizepräsidenten des Zentralrats, Dieter Graumann, seinen Vortrag gehalten, angespannt, die Nervosität wich nicht, während Grosser die Empathie für die Opfer beschwor, das „Minimum an Mitgefühl“ für das „Leiden der Anderen“, und was er beschwor, begründete er mit dem Universalismus der Werte, um wiederum für diese Begründung die „Glaubwürdigkeit des Westens“ anzumahnen, denn nichts weniger als sie stehe auf dem Spiel: „Wir können nur unsere Grundwerte predigen, wenn wir sie nicht verletzen.“

Dass Grosser über den Anlass, die Pogromnacht, kaum sprach, ist von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde als Brüskierung aufgefasst worden. Der 9. November war tatsächlich allenfalls nur Fußnote, Verweis auf Bücher in Grossers Erinnerungsrede, die keine Gedenkrede war, wie sie Graumann zuvor beschworen hatte: „Wir waren zwar nicht selbst in der Shoah, aber die Shoah ist doch immer in uns, niemals kann es anders sein.“ Eingedenk dieses Eingedenkens kündigte Graumann eine „Veränderung der jüdischen Erinnerungskultur“ an. Der Holocaust dürfe nicht zur „neuen „jüdischen Ersatzidentität werden, immer holocaustbewusst, ja, aber nicht zu holocaustzentriert“.

Graumann kandidiert für den Vorsitz im Zentralrat. Er gab Grosser, den er nicht akzeptiert, aber toleriert hatte, die Hand, kaum dass dieser das Wort Luthers, der wahrlich kein Freund der Juden war, abschließend zitiert hatte: „Ich stehe hier und kann nicht anders.“ Auch war zu sehen, wie der 85-Jährige mit der Hand die Schulter Graumanns suchte, was dieser nicht ausschlug.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare