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Süßer Brexit.

Times mager

Notration

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Es ist keineswegs so, dass sich die Briten nicht auf den Brexit vorbereiten.

Zu den Dingen von „feiner englischer Art“, für die ein kleiner Katalog im Frühling 2019 wirbt – trotz allem und unverdrossen wirbt – gehört die Steinfigur „Tagtraum-Junge“ für den Garten: „So entspannt möchten wir alle gern einmal den Tag genießen“, hat sich ein Texter dazu ausgedacht. Selbstverständlich ist die Figur nicht nur entspannt und „hochwertig“, sondern auch „wetterfest“. Und das soll vermutlich keine Anspielung auf kommendes Ungemach sein.

Es ist aber keineswegs so, dass sich die Briten nicht auf den Brexit vorbereiten. Aus manchen Vorbereitungen wiederum lässt sich darauf schließen, dass einige von ihnen wohl doch vom Schlimmsten ausgehen (das Times mager tendiert dazu, ihnen recht zu geben). Vom Schlimmsten ausgehen und für den Notfall vorsorgen bedeutet auch: Manche kaufen für 295 Pfund eine sogenannte „Brexit Box“. Diese enthält: 60 Portionen von gefriergetrockneten britischen Lieblingsgerichten wie Fajitas mit Hähnchen, Hähnchen-Tikka, Chili Con Carne und Käsemakkaroni – alles also Speisen, die man seit Jahrhunderten, ach was, Jahrtausenden auf den britischen Inseln schätzt. Außerdem 48 (!) Portionen Hähnchen mit Minze, denn schon der hungrige Richard III sagte – und Shakespeare überlieferte es – „ein Huhn, ein Huhn, mein Königreich für ein Huhn! Da brate mir doch endlich einer ein Huhn!“ Freilich half es ihm nichts, wie man weiß.

Außerdem in der praktischen Brexit-Box: Anzünder und ein Wasserfilter. Offenbar erwarten die Briten, dass sie bald nur noch ein Lagerfeuer wärmen wird und sie das Wasser aus der Themse schöpfen müssen. Für Londons Straßenbäume und Gartensträucher bedeutet das nichts Gutes.

Der Geschäftsmann, der den guten alten englischen Namen Blake trägt und schon mehrere hundert Brexit-Boxen verkauft hat, wird in einer Meldung zitiert: „Unsere Regierung hat keine Ahnung, was passieren wird. Aber Sie können entscheiden, was mit Ihnen passiert, indem Sie selbst die Kontrolle übernehmen.“ Und er meinte wohl eher nicht die über die Trauerweide und die Goldfische in Nachbars Garten.

Die Nachrichtenagentur Reuters befragte auch eine Kundin Blakes, Lynda Mayall, 61, die den Beteuerungen der britischen Regierung nicht recht traut, es gebe keinen Grund, Lebensmittel zu horten: „Ich dachte mir: Sicher ist sicher, falls die Dinge schief laufen.“ Und übrigens halten sich die Notrationen in der Brexit-Box bis zu 25 Jahre lang. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass ein gefriergetrocknetes Hähnchen plötzlich wieder saftig und die Minze wieder grün wird.

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