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Alles Handarbeit: Die Sütterlinschrift ist heute auf dem Papier nahezu verschwunden.
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Alles Handarbeit: Die Sütterlinschrift ist heute auf dem Papier nahezu verschwunden.

Times mager

Nostalgie-Tag

Die Großmutter las Sütterlin-Briefe so fließend vor, dass sie den Unterschied erst an den kugelrunden Augen der Enkelin bemerkte. Über verschwundene Fertigkeiten.

Auch der vor 98 Jahren abgeschaffte Adel ist weiterhin kregel („Adel auf dem Radel“) und braucht ständig Geld. Für sich und für andere, da Adel trotz finanzieller Engpässe verpflichtet. Dennoch ist die Wendung „Bei unserer Arbeit (…) konzentrieren wir uns auf Deutsche bei uns vor der Haustür in H., die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“ beunruhigend. Denn die Sammler aus den Kreisen des abgeschafften Adels müssen sich ja etwas davon versprechen, dies eigens zu erwähnen. Auch verhehlen sie nicht, dass es um „geringe Geldzuwendungen“ geht, „meist nur sporadisch“, „in kleinem Rahmen“. Als gelte es, hier etwaigen Missverständnissen – womöglich dem einer reichlich sprudelnden Geldquelle – von vornherein aus dem Wege zu gehen.

Der also bereits seltsam rückwärtsgewandte Tag richtete sich nun auf die „Washington Post“, die erneut skeptisch auf das Aussterben (Ausrotten) der Handschrift an US-Schulen schaute. Und warum auf einmal skeptisch, nachdem Amerikaner in dieser Hinsicht eine eindrucksvolle Gleichgültigkeit an den Tag gelegt haben? Sie argumentieren sogar im Falle einer Unterschrift damit, man könne an ihrer Stelle auch individuell gestaltete Ideogramme (lachendes Gesichtlein etc.) etablieren. Auch wenn man natürlich sogar drei Kreuzen eine Individualität geben könnte, wirkt diese Lösung auf den ersten Blick wie das Ende aller Kulturtechnik.

Nein, die neue Skepsis rührt tatsächlich vor allem daher, dass ältere Amerikaner mittlerweile feststellen müssen, dass ihre Kinder Handschrift nicht nur nicht mehr schreiben, sondern auch nicht mehr lesen können. Dass ihnen also handschriftliche Dokumente, sei es der Landesgeschichte, sei es des privaten Umfelds, künftig verschlossen bleiben werden. Dies nun bringt einen etwas in Verlegenheit. Ist dies doch in Deutschland in dritter, vierter Generation selbstverständlich, da die noch im vorvorigen Jahrhundert restlos geläufige Kurrentschrift jede Korrespondenz zum Buch mit sieben Siegeln macht. Die Großmutter las Sütterlin-Briefe so fließend vor, dass sie den Unterschied erst an den kugelrunden Augen der Enkelin bemerkte. Und auch der entschlossene Verfechter des Schreibschrifterwerbs für alle muss einräumen: Die Welt ist davon nicht untergegangen. Allerdings ist sie auch nicht reicher geworden. Der für nicht auf der Sonnenseite befindliche Deutsche engagierte Adelsverein übrigens auch nicht. So.

Wir möchten aus dieser nostalgischen Spalte schlüpfen mit dem Aufruf, einmal Kurrentschrift lesen zu lernen, was so schwer nicht sein kann. 2017!

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