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Times Mager

Normalsterblich

Vor Wochen ging die Nachricht vom indischen Yogi Prahlad Jani durch die Medien, der seit 70 Jahren weder gegessen noch getrunken hat. Mit acht Jahren soll er einer Göttin begegnet sein. Von Natalie Soondrum

Vor Wochen ging die Nachricht vom indischen Yogi Prahlad Jani durch die Medien, der angeblich seit 70 Jahren weder gegessen noch getrunken hat. Die Freundin hat sich sein Bild ausgeschnitten, um es aufzuheben mit den Worten: "Der ist jetzt mein Held". Sie hat nämlich gerade in einer Yogaschule das Studium aufgenommen und ist dankbar für jede Inspiration.

Über Prahlad Jani erfährt man, ihm sei mit acht Jahren die Göttin Amba Mata erschienen und habe ihn gesegnet. Seitdem tröpfle ihm durch ein Loch in seinem Gaumen Amrit, heiliger Nektar, in die Mundhöhle, was ihm neben Meditation zum Leben genüge. Ein privilegiertes Yoga-Leben, befreit von der Fessel sinnlicher Genüsse.

Doch meist verläuft das Leben anders, man begegnet allem Möglichen, nur keiner Göttin. So traf ein achtjähriges Mädchen auf dem Dachboden der Großmutter auf eine kleine Milchkuh. Auf der Tür des flaschengrünen Bauernschranks, den der Onkel in jungen Jahren bemalt hatte, balancierte sie schwarz und weiß gefleckt und elegant auf einer Bergspitze. Hinter der Schranktür entdeckte das Mädchen Stapel von Büchern, darunter auch einige über Yoga (die besten Bilder), die sie nie wieder weggelegt hat. Die Kuh dagegen vergaß sie lange Zeit - bis die Freundin sie in die neu entdeckte Yoga-Schule schleifte.

Der junge, dynamische Lehrer verwickelte sie nach der Stunde in ein Gespräch, in dem er seiner Enttäuschung über den Werteverfall in der Yoga-Welt Ausdruck verlieh. "Die Leute wissen überhaupt nicht, was Nicht-Anhaftung ist, wie man im Laufe seines Lebens lernt loszulassen, bis man am Lebensende Befreiung erlangt." Etwas schuldbewusst dachte das Mädchen von damals nun darüber nach, wie sehr sie an ihrem kleinen Leben hänge, und wie wenig sie daraus befreit werden wolle - und ob bei ihr vielleicht etwas schief gelaufen sein könnte trotz Yoga. Da sah sie den grünen Schrank wieder vor sich, und ihr wurde klar: Für den rechten Fortschritt im Yoga ist es einfach günstiger, im Alter von acht Jahren einer Gottheit zu begegnen als einer kleinen Kuh, die die Zunge herausstreckt und einen per Sprechblase wissen lässt: "Auf der Alm, do gibt´s koa Sünd".

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