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In Cuxhaven kauft man seinen Fisch noch aus der Nordsee, nicht in der „Nordsee“.
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In Cuxhaven kauft man seinen Fisch noch aus der Nordsee, nicht in der „Nordsee“.

Times mager

Nordsee

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Vom nahen Wasser schaffte es hier und da eine schöne Brise über den Deich – in Cuxhaven. Wer braucht das Nordend, liegt die Nordsee so nah!

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Man muss die Gentrifizierung nicht immer verteufeln, denn sie bringt schöne Gesichter und praktische Transportmittel für Kleinkinder hervor. Die Dame mit dem schönen Gesicht schob das mit zwei Kleinkindern bestückte Transportmittel vor sich her, meistens schweigend. Nur, wenn es von vorne tönte „Mama, sing mit!“, rang sich die Dame dazu durch, für ein paar Zeilen zu folgen, relativ textunsicher. Die kleine Familie passierte den Martin-Luther-Platz, und irgendwie ging es um „Jesus“.

Wir waren gerade von einer kleinen Reise nach Cuxhaven zurück, wo wir mit dem dort ansässigen Ex-Kollegen J. dessen 60. Geburtstag gefeiert hatten. Hier an der Nordsee, hatte der Ex-Kollege gesagt, nachdem wir ihm von der singenden Kleinfamilie erzählt hatten, trage die Gentrifizierung ein ganz anderes Gesicht. Ein schönes ebenfalls, wenn auch in der Regel eher kinderlos, was uns ein Blick auf die im Lotsenviertel Vorüberziehenden sofort bestätigte.

Die Veganshoppisierung

Das Lotsenviertel, ansonsten mit dem Frankfurter Nordend überhaupt nicht zu vergleichen, ist die Cuxhavener Variante jener zweigesichtigen Art von Stadtteil, bei der man nie weiß, ob man die Veganshoppisierung urbanen Lebens nebst Vertreibung durchschnittsverdienender Bratwurstkonsumenten bedauern oder die Schönheiten einer pfleglich erhaltenen historischen Architektur bewundern soll.

Man soll selbstverständlich beides, was bleibt einem übrig, aber auf Reisen gewinnt die durch Freizeit und Architektur getriebene Milde meistens die Oberhand, zumal wenn ein ortsansässiger und höchst liebenswürdiger Ex-Kollege anwesend ist, und der alte Fischladen ist auch noch da, nicht „Nordsee“!

So bewunderten wir, ganz und gar ungetrübt von negativen Gedanken, das gemütlich Gedrungene der breit dastehenden, fast -liegenden ehemaligen Lotsenhäuschen, aus denen sich beim besten Willen nichts bilden lässt, das man „Straßenschlucht“ nennen könnte, sehr wohl aber eine liebevoll gepflasterte verkehrsberuhigte Zone mit Läden und Lädchen aller Art. Vom nahen Wasser schaffte es hier und da eine schöne Brise über den Deich – wer braucht das Nordend, liegt die Nordsee so nah!

Wir fuhren dann doch zurück und begegneten erneut der schöngesichtigen Dame mit dem Kindertransport. Wieder wurde gesungen, allerdings jäh unterbrochen durch einen Zwischenruf aus dem Kinderwagen: „Mama, ich hab keine Unterhose an!“ Die Mutter antwortete auf Französisch, und wir hatten den Eindruck: So hätte es in Cuxhaven nicht passieren können.

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