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Nichts

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Von: Bernhard Honnigfort

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Sport gehört zu den beliebtesten guten Vorsätzen für das neue Jahr.
Sport gehört zu den beliebtesten guten Vorsätzen für das neue Jahr. © afp

Der „Tag des Nichts“ war gestern, aber er wirkt noch immer fort. In Berlin zum Beispiel. Die Feuilleton-Kolumne "Times mager".

Geschafft, 17. Januar, der Tag, an dem man alle guten Vorsätze beerdigen darf, mit denen man tapfer ins neue Jahr aufbrach. Der „Ditch New Years Resolutions Day“, natürlich erfunden in den USA, von wem weiß man allerdings nicht.

Auch über die Motive des Erfinders ist nichts bekannt, vielleicht hat es ihn genervt, dass er noch vor Weihnachten schlemmen, genießen und futtern durfte und sogar sollte und dann zwangsläufig etwas rundlich wurde. Und dann war plötzlich Neujahr und es machte knack: Plötzlich hagelte es wieder Ratschläge und derselbe Mensch sollte nur noch Fett verbrennen und am besten in drei Tagen vier Kilo abnehmen und überhaupt mal an sich und seine Gesundheit denken.

Der bedeutendere Tag in dieser Woche war allerdings der Dienstag. 16. Januar, der Tag des Nichts. 1973 erfunden, natürlich auch von einem Amerikaner, aber sein Name ist überliefert: Mister Harold Pullman Coffin. Ein Tag, an dem nichts geehrt werden soll, nichts gefeiert, nichts getan. Man sollte noch nicht einmal darüber reden, dass nicht nichts ist oder nichts nicht, meinte Coffin, der Erfinder. Der Mann war Journalist, er musste immerzu Kolumnen schreiben, bis er am 12. September 1981 völlig leergeschrieben niedersank und starb, dem „Tag des Schokoladen-Milchshakes“. Was immer das bedeuten mag. Vielleicht aber auch einfach: nichts.

Fangen Sie nicht an über das Nichts nachzudenken. Räumen Sie lieber Ihren Keller auf. Oder die Garage. Oder gehen Sie spazieren. Philosophen haben Tausende Jahre lang über das Nichts nachgedacht. Seiendes, die Wesenheit, das ganze Zeug, sogar über Langeweile wurde gegrübelt. Und natürlich die Steigerung des Nichts: das absolute Nichts. Mein Eindruck: Führt zu nichts. Der Kopf wird heiß, ansonsten: nichts. Man muss sich mit dem Nichts abfinden, besser noch anfreunden. Denn das Nichts ist da.

In Berlin regiert gerade nichts. Am kommenden Sonntag, wenn die SPD entscheidet, ob sie nicht nicht regieren will, geht es für Martin Schulz angeblich um alles oder – nichts. Alles, das war so etwas wie seine Wesenheit noch vor einem Jahr, als Schulz angeblich über Wasser laufen konnte und kurz vor der Seligsprechung stand. Und nun? Nichts? Was heißt das für den armen Mann? Zurück nach Würselen? Man weiß es nicht.

Astronomen, die sich berufsmäßig mit dem Urknall und auch dem befassen, was möglicherweise davor hier in der Gegend los war, lehnen den Begriff Nichts übrigens ab, weil er physikalisch keinen Sinn hat. Sie sprechen von einer Singularität und von dunkler Materie. Vielleicht sollte die SPD das im Hinblick auf sich, die eigene Lage im Universum (Wahlabend = Urknall), die CSU (dunkle Materie) und Markus Söder (absolutes Nichts?) auch tun.

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