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Hätten die Aktivisten der „No“-Kampagne gegen die schottische Unabhängigkeit eigentlich wissen müssen: Die Nachfrage nach Helden in Röcken, die für die Unabhängigkeit kämpfen, ist groß.

Times mager

So nicht

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Bald ist Referendums-Zeit in Schottland. Aber die „No“-Sager machen sich gerade mit einem Werbe-Video bei Frauen höchst unbeliebt.

Eine Schiffsladung, so weiß Wikipedia eindrucksvoll zu berichten, „eine ganze Schiffsladung voller Exemplare“ nämlich von Sir Walter Scotts 1817 erschienenem Roman „Rob Roy“ wurde einst nach London verschifft, weil die Nachfrage nach schottischen und vor allem nach Scott-Helden so riesig war (Walter Scott war der Dan Brown des 19. Jahrhunderts, hatte allerdings einen besseren Stil). Ein früher Bestseller-Autor, obwohl Wikipedia auch weiß: „Kritiker zeigten sich enttäuscht, dass Rob Roy nicht eindrucksvoller dargestellt wird.“ (Heutige Kinogänger werden sich ob dieser Kritik wundern, hat Rob Roy doch offensichtlich ausgesehen wie ein üppig gelockter Liam Neeson und durfte – Rock hin oder her – Jessica Lange küssen.)

Jedenfalls steht das Buch im August 2014 auf Platz 4 der schottischen Bestseller-Liste. Und erst drunter, Platz 5, folgt „Road to Referendum“ (Straße zum Referendum). Während, Platz 1 für „Hybris“, sich die Schotten in Scharen erklären lassen, wie es zum Zusammenbruch ihrer 300 Jahre alten, königlichen Bank von Schottland kommen konnte. Mit 617 Pfund, so hat jemand ausgerechnet, musste jeder britische (!) Steuerzahler die Bank stützten. Das wäre allemal ein Argument für die schottische „No“-Fraktion („No“ zur Unabhängigkeit), wären nicht englische Banker entscheidend beteiligt gewesen an den riskanten, ach was: geradezu kriminellen Geschäften.

Die schottische Hausfrau

Besser zurückgehalten hätte sich die „No“-Kampagne auch bei einem Video, das eine wohlmanikürte schottische „Hausfrau“ zeigt, die darüber stöhnt, dass ihr Mann zur Zeit immer über Politik reden und von ihr eine Meinung hören will. Dabei hat sie doch so schrecklich wenig Zeit zum Nachdenken. Höhnische Screenshots machen nun im Internet die Runde, mit Texten wie: „Warum sitzt meine Figur in einer Küche statt auf einer Vorstandsetage?“ oder „Ich bin unfähig, Google zu benutzen, also stimme ich einfach mit Nein“. Schottische Männer stellen sich, als Frau verkleidet, in die Küche. Schottische Frauen erklären, nach Ansicht dieses „No“-Videospots würden sie doch lieber mit „Yes“ stimmen. „Sexistisch“, „herablassend“: das, was man heute Shitstorm nennt, trifft derzeit die unglücklichen Macher des Videos.

Oh Schreck. Plötzlich haben in Schottland auch die Frauen Röcke an. Und kaufen, Platz 3 der aktuellen Bestseller-Liste, auch noch Bücher wie Jenni Fagans „The Panopticon“, dessen 15-jährige Hauptfigur „das Herz eines Hais“ hat. „Vive le girls!“ schreibt Fagan, und die Kritiker sind sich einig, dass ihre Heldin eindrucksvoll genug ist.

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