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Szanto ist Poetry-Slammer und hat als „halb Finne und halb Ungar“ nach eigenem Bekunden eine Affinität zu Ypsilons.

Times mager

Neun Ypsilons

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Irgendwie lernt man in Leipzig immer auch am Rande etwas, aber nichts Richtiges.

Insgeheim gibt es mindestens zwei Welten, in denen glückliche Bücher leben. Sie haben kaum Berührungspunkte, sie führen eine friedliche Koexistenz in zwei Universen, in beiden werden sie von recht netten Menschen gehegt und gepflegt und – das ist selbstverständlich das Wichtigste für ein Buch – gelesen.

Auf einer Buchmesse kommt es zu Begegnungen und die flanierenden, also sich durch die Gänge quetschenden Leute wundern sich dann, warum so viele Bücher hergestellt werden und wer sie alle lesen soll. Abgesehen davon, dass da etwas dran ist, zeigt sich hier, dass es eben auch viel mehr Leserinnen und Leser zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt. Darum bietet eine Buchmesse auch Gelegenheit, einen Blick in die andere Welt zu werfen. Hier ist zum Beispiel die Online-Community wasliestdu.de daheim, auf deren gutsortierter Seite man sofort eine Rundreise beginnen kann (interessant natürlich: Schon steht man mitten auf einer wunderschönen, lebensvollen Buchmesse und steckt seine Nase wieder ins Telefon).

Die Plattform wasliestdu.de kann auch Bewohnern der anderen Welt seit einigen Jahren ins Auge fallen, weil sie auf der Buchmesse einen Preis für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres vergibt“. Prämiert wurde diesmal Henrik Szantos „Es hat 18 Buchstaben und neun davon sind Ypsilons“ (Lektora Verlag). Szanto ist Poetry-Slammer und hat als „halb Finne und halb Ungar“ nach eigenem Bekunden eine Affinität zu Ypsilons. Das betreffende Wort lautet „Hyppytyynytyydytys“, beziehungsweise es wird so geschrieben. Wie man es ausspricht, kann man sich im Internet anhören, allerdings hört man etwas und hört doch nichts. Jedenfalls gilt es wohl, die Stimme flach zu halten und sich nicht zu sehr auf eine Akzentuierung festzulegen. Hyppytyynytyydytys (Hüpfkissenbefriedigung, eine Art Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung).

In Leipzig tauchte gleich eine Gruppe Schüler auf, die das Wort Hyppytyynytyydytys übten. Jede Generation geht zwar ihre eigenen Wege, aber da war es doch wieder, das Hadschi-Halef-Omar-Ben-Hadschi-Abul-Abbas-Ibn-Hadschi-Dawuhd-al-Gossarah-Gefühl, dem sich viele Jahre später das Eyjafjallajökull-Gefühl anschloss. Auch dies kam aus einer anderen Welt. Während man sich selbst noch nicht einmal die Buchstabenabfolge konzentriert vor Augen geführt hatte, gab es immer schon einen gewitzten Mitschüler / Kollegen, der das Ganze auswendig konnte. Offenbar ein Spiel unter Jungen. Unsereiner muss einräumen: Irgendwie lernt man in Leipzig immer auch am Rande etwas, aber nichts Richtiges.

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