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Marie Kondos neuer Shop will doch nur die Lücken schließen. 

TIMES MAGER

Neue Socke

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Das Times mager versteht nicht, warum Aufräum-Guru Marie Kondo verspottet wird - sie will doch nur verkaufen.

Das Stöckchen, über das bald wieder ins angeblich neue Jahr (oder gar „Neue Jahr“) gesprungen werden muss, ein Jahr, das, egal welche Nummer es trägt, einem in Wirklichkeit schon am 2. Januar haargenauso vorkommt wie das alte, dieses Stöckchen scheint jedes Jahr tiefer zu liegen, will sagen, man rutscht halt irgendwann nur noch so rüber, es ist, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, kein guter und kein schlechter Rutsch, es ist ein kleines Schlittern, einem Ausrutscher nicht unähnlich, bei dem man sich flugs wieder fängt, bei dem gar nichts passiert ist.

Man fängt sich also flugs wieder und ist schon drüben, wo es exakt aussieht wie hüben. Und leider hat es auch alles nach drüben geschafft, was man eigentlich im alten Jahr lassen wollte. Die ungelesenen Bücher, das unsortierte Papier, die Steuerunterlagen von (gefühlt) 1953, die Lieblingsjacke, die man seit fünfzehn Jahren nicht getragen hat, aber es ist halt die Lieblingsjacke und Treue ist eine Tugend, das Väschen, das seit zweihundert Jahren keine Blume gesehen hat, mindestens, die Socken mit den Halb-Löchern, die man schon im Sommer nur noch einmal waschen, tragen, dann wegwerfen wollte, dann im Oktober nur noch einmal waschen .... Sie sind immer noch im Regal, im Schrank, in der Schublade, da hilft es auch nicht, sich an Marie Kondos Magic-Cleaning-Tipps zu erinnern, mit ihrer Hilfe die Trennung endlich zu vollziehen und glücklich zu werden. Denn: „Nur was glücklich macht, darf bleiben.“

Aber kann es nicht sein, dass am Ende zu wenig übrig bleibt, man also nur etwa zu 75 statt 100 Prozent glücklich ist? Weil man sich dann doch von zu viel getrennt hat, vom Kerzenhalter aus Porzellan zum Beispiel oder der Aufbewahrungsbox für die Box mit den Kosmetiktüchern? Dass man denkt, verflixt, jetzt ein Kupferspiegel fürs Bad (150 Dollar), eine Nagelbürste und eine Seifenschale dazu, die zwar aussieht wie Plastik, aber doch gewiss kein Plastik ist, und schon wäre man bei 80 Prozent Glück. Jetzt ein Paar lederne Hausschuhe in Schweinchenrosa (206 Dollar), jetzt ein Käsemesser (180), eine französische Einkaufstasche (60) und eine Stimmgabel mit Kristall für 75 Dollar. Das reicht für, sagen wir, 92 Prozent Glücklichsein.

All diese wunderbaren Dinge gibt es im neuen Konmari-Shop Marie Kondos. Und das Times mager versteht wirklich nicht, warum sie dafür verspottet und gescholten wurde, dass sie den Menschen hilft, die durchs Aufräumen entstandenen Lücken zu schließen.

Und selbst wenn einem nicht gleich einfällt, wann man zuletzt eine Stimmgabel gebraucht hat – könnte doch sein, dass man bald damit beginnen möchte, ein Instrument zu lernen. Vielleicht ja schon im neuen Jahr.

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