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Shakespeare-Porträt als Fälschung entlarvt.

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Das Kultursponsoring der BP bringt nicht nur britische Künstler in Erklärungsnöte.

Im Juni kündigte der bekannte englische Schauspieler Mark Rylance seine Beziehung zur Royal Shakespeare Company auf. Der Grund dafür war, wie berichtet, dass sich die Theatertruppe von dem Konzern BP unterstützen lässt und Rylance mit dem in Fragen des Umweltschutzes vielfältig in die Kritik geratenen Ölgiganten nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Namentlich finanziert BP ein Programm der Royal Shakespeare Company, das Jugendlichen kostengünstige Theaterbesuche ermöglicht. Dagegen lässt sich schwer etwas sagen. Rylance musste sich sogar vom liberalen „Guardian“ sagen lassen, er sei etwas weltfremd.

Nun wurde aber am Mittwoch bekannt, dass die Royal Shakespeare Company, die damals lediglich bedauerte, künftig auf das Sponsoring durch BP verzichten will, immerhin bereits ab Ende des Jahres, zwei Jahre vor Ablauf des Vertrages. Vorausgegangen waren Kampagnen von Künstlern und Umweltschützern, die auch anderen englischen Kulturinstitutionen – so dem Royal Opera House, dem British Museum oder der National Portrait Gallery – vorwerfen, Geld von Ölkonzernen zu nehmen. Zuletzt schalteten sich die für den Klimaschutz demonstrierenden Schülerinnen und Schüler ein. Sie hätten ihren Standpunkt klargemacht, hieß es in einer Erklärung der Royal Shakespeare Company: Der Kontakt zu BP, so die Jugendlichen, sei eine Barriere zwischen ihnen und der Company. Diese Botschaft könne man nicht ignorieren.

Die üblichen Einwände sind möglich: Dass das BP-Engagement doch gerade Jugendlichen zugute komme. Meinetwegen auch, dass das etwas weltfremd sei. Man kann aber auch über die Macht der Verbraucher jubilieren und sich über das Gejammer ärgern, gegen die da oben sei man ja machtlos. Und man kann ferner darüber lächeln, dass der Erfolg der Jugendlichen ausgerechnet darin besteht, dass sie keine 5-Pfund-Eintrittskarten mehr erwerben können. Aber es ist nicht das intelligenteste Lächeln.

Auch die anonymen Kommentare von Internetnutzern sind von mittlerer bis verschwindender Güte, weil den Jugendlichen ohne Unterlass vorgeworfen wird, Autos zu benutzen oder in einer geheizten Schule zu sitzen. Nicht nur wird dabei der verbrämende Zweck von Kultursponsoring ignoriert. Es ist auch insgesamt auffällig, dass Kindern und Jugendlichen flugs, nein, höhnisch die moralische Last einer widersprüchlichen Welt um die Ohren gehauen wird, während sich die schimpfenden Erwachsenen nicht einmal dafür zu schämen scheinen, dass sie aus unerfindlichen Gründen keinen Grund zum Handeln sehen.

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