Bewies Flexibilität in allerletzter Sekunde:  Truman Capote, Autor von „Breakfast at Tiffanys“.
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Times mager

Holly Golightly

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Connie Gustafson: Kann man mit diesem Namen so hinreißend sein wie Holly Golightly?

Namen sind Schall und Rauch, andererseits wirkt es auf den ersten Blick unwahrscheinlich, dass der Satz „Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, / Als Eure Schulweisheit sich träumt, Hans-Rüdiger“ Weltruhm erlangt hätte. Im englischen Original dann entsprechend: „There are more things in heaven and earth, Hans-Ruediger, than are dreamt of in your philosophy.“ Man weiß es nicht, aber nein, wahrscheinlich ist es nicht. Dabei ist Hans-Rüdiger ein Name ohne Fehl und Tadel. Nur scheint er nicht aus der Sphäre zu stammen, in der ohnehin bereits verstörte Prinzen sich an Geistererscheinungen abarbeiten müssen und Tötungsdelikte eine abwechslungsreiche Kette des Grauens bilden.

Jedoch wird einem, noch während man dies niederschreibt, klar, dass der Name Hans-Rüdiger sogar ganz ausgezeichnet in diese Sphäre passen könnte. Hans-Rüdiger, ein Name mit Schwung, ein Name aber auch mit Bodenhaftung und kameradschaftlichem Appeal, und darum genau geht es ja in dieser Szene. Der Prinz braucht einen guten Freund, mit dem er reden kann, und der zugleich über Nerven wie Drahtseile verfügt. Hans-Rüdiger.

Am Ende geht es also schon wieder um die Macht der Gewohnheit. Nehmen wir den Namen Connie Gustafson. Gleich will einem kein langweiligerer Name einfallen. So aber hieß die gar nicht langweilige Hauptfigur von Truman Capotes Roman „Frühstück bei Tiffany“ im letzten Typoskript. Daran erinnert das Auktionshaus Sotheby’s, das in dieser Woche die späte Schreibmaschinenfassung versteigern wird.

Sotheby’s schwingt sich bei der Präsentation des Konvoluts zu einer kecken Wendung auf. Connie Gustafson sei doch eher ein Name für eine sehr junge Braut („child bride“) aus Tulip, Texas. Damit könnte man es sich auf einen Schlag mit allen Connies, allen Gustafsons, allen sehr jungen Bräuten sowie der Bevölkerung von Tulip, Texas verderben. Vorausgesetzt, sehr junge Bräute aus Tulip, Texas, wären nicht so zufrieden damit, Connie Gustafson zu heißen, dass ihnen und ihren Verlobten der Unterton von Sotheby’s gar nicht weiter auffiele.

Ich würde einem Verlobten aus Tulip, Texas übrigens nicht mit solchen Späßen kommen. Verlobte aus Tulip, Texas verstehen vermutlich nur Witze, die sie selbst machen (mit Hans-Rüdiger wäre das etwas anderes). Dabei geht es Sotheby’s doch bloß darum zu verdeutlichen, dass der Name Holly Golightly, der schließlich in Capotes Roman steht, unschlagbar ist.

Man fragt sich nun, wie Capote so lange Connie Gustafson tun und sagen lassen konnte, was immer offensichtlich zu Holly Golightly gehörte. Und man lernt, dass man bis zur letzten Sekunde noch über die grundsätzlichsten Elemente eines Textes nachdenken sollte. Hierzu wäre einiges zu sagen. Das ginge aber nur auf Kosten der Ausführungen zu Hans-Rüdiger. Wir sagen: Hans-Rüdiger hat ein paar Zeilen verdient.

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