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Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
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Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.

Times mager

Nahverkehr

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Mit dem öffentlichen Nahverkehr wird der gesellschaftspolitische Raum vermessen. Wie oft die Bahn fährt, ist ja auch eine Frage des Gemeinwohls. Von Harry Nutt

Eine Fahrt mit der Berliner S-Bahn hat inzwischen ihr Empörungspotenzial verloren. Zwar fahren die Züge noch immer nicht im gewohnten Takt, und der fahrplanunkundige Nutzer muss nach wie vor erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen. In den vollen Zügen kollidieren noch immer die Interessen derer, die ihr Recht auf unbeschmutzte Kleidung gewahrt wissen wollen, mit den Bedürfnissen jener, die danach trachten, ihr Fahrrad ins Gedränge hineinzubugsieren. Zu erbitterten Auseinandersetzungen der Verkehrskombattanten kommt es aber nur noch selten. Man ist geneigt, sich abzufinden. In ein paar Wochen soll ja wieder alles ganz normal sein. Der Berliner hat schlimmere Krisen erlebt.

Der politische Heißluft ist abgelassen vom Skandal um defekte Bereifung und der Vortäuschung korrekter Wartung. Ein paar Manager mussten gehen, der oberste Entscheider hatte seinen Platz schon aufgrund anderer Vorkommnisse geräumt. Hier und da mögen hartnäckige Rechercheure noch Genaueres zu Tage fördern. Der Berliner Öffentlichkeit schlägt die stockende Beförderung jedoch nicht mehr aufs Gemüt.

Dabei wäre neben dem Versagen des Managements auch ein politisches auszumachen gewesen. Ein solzialdemokratisches obendrein. In seinem Bemühren, die Lage so schnell wie möglich zu beruhigen, hat der Regierende Bürgermeister Wowereit die soziale Frage kurzerhand auf dem Bahnsteig abgefertigt. Wie oft die Bahn kommt und unter welchen Bedingungen, ist ja auch eine Frage des Gemeinwohls. Welche Grundversorgung ist zu gewährleisten, und wo sind die Grenzen der Privatisierung? Was kann der Staat, was soll die Kommune? Mit dem öffentlichen Nahverkehr wird der gesellschaftspolitische Raum vermessen. Wie wollen wir künftig leben, und wie können wir das, was wir wollen, bezahlen?

Klaus Wowereits Zeit, hört man dieser Tage nicht nur im sozialdemokratischen Milieu, wird kommen. Er ist so etwas wie der letzte Hoffnungsträger der SPD. Im Berliner Nahverkehr hat er lediglich eine Managementslösung angestrebt. Die Bedeutung der sozialen Frage war in seinem Fahrplan nicht vorgesehen.

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