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Knusprig und fertig - ist das nicht dasselbe?

Times mager

Nachlese

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Hat doch alles gut geklappt diesmal. Fast alles.

Es ist alles sehr gut gegangen. Die Tanne (Pseudotsuga menziesii) war sehr schön, wenn sie auch Präzisionsarbeit erforderte, im Besonderen was die Kerzen betraf, die etwas penetrant das Kinderbild „Unser Weihnachtsbaum“ nachstellten. Das Kinderbild „Unser Weihnachtsbaum“ entspricht dem Kinderbild „Das Riesenrad“. Es ist kein Fertigwerden mit den räumlichen Verhältnissen, wenn viele kleine Objekte an einem großen Objekt befestigt sind, jedenfalls trennt sich hier im Malunterricht die Spreu vom Weizen. Wie sich an einer Pseudotsuga menziesii manche Kugel vom Ast trennt, und letztendlich ist das alles nicht erklärbar.

Der Gottesdienst war sehr schön, wenn auch der Organist wieder unglaublich schlecht spielte. Diesmal spielte er aber nicht nur schlecht, sondern hob auch den Ablauf aus den Angeln, indem er weiterspielte, während sich die Lesung aus Lukas 2 und das Lied „Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“ sinnfällig hätten verschränken sollen. Es kam zum mehrfachen Absingen zweier Strophen, und während der Herr Pfarrer die Ruhe selbst war, sah man den Kirchenvorstand vorne den Kopf schütteln. Natürlich will kein Mensch an einem solchen Abend den Organisten anschreien, und dies geschah ja auch nicht. Der Herr Pfarrer verwechselte dann noch Indonesien mit Sri Lanka, aber keiner meckerte dumm rum.

Die Bescherung war sehr schön, auch wenn sich am 22. herausgestellt hatte, dass das wichtigste Geschenk fehlte. Nicht weil die Post versagt hätte, was eine Wahnsinnserleichterung gewesen wäre, sondern wegen einer unbegreiflichen Vergesslichkeit an der Stelle, an der das nicht passieren darf. Daraus ergab sich ein heilloses Improvisieren.

Das Essen am ersten Feiertag war sehr schön, auch wenn es sich jedes Mal um eine Mutprobe handelt. Zur Unterstützung allein ein Zettel, vor vierzig, fünfzig Jahren von einer lieben Verwandten einer lieben Verwandten in den Kugelschreiber diktiert. Ohne diesen Zettel wäre die Nachgeborene verloren, wobei es sich um einen kleinen Zettel mit wenig detaillierten, dafür existenziellen Informationen handelt. Über die Jahre ist jeder einzelne Satz hundertfach gelesen und interpretiert worden, selbst die Interpunktion steht in ihrer Nonchalance zwingend und unangreifbar da. Kann bis sie knusprig und fertig ist 3 – 3 1/2 Stunden dauern. Auch diesmal verhakte sich die Exegese in die Frage, ob knusprig und fertig tatsächlich nicht dasselbe meint.

Es war also sehr schön. Jetzt ist die Wäsche sicherheitshalber von der Leine genommen. Ein Zuckerhut muss bei. Es ist die Saison der Rituale, schon kleinste Abweichungen sind saublöd.

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