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Bei entsprechender Lautstärke am Telefon zeigt sich gerne das Phänomen der umgekehrten Indiskretion.
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Bei entsprechender Lautstärke am Telefon zeigt sich gerne das Phänomen der umgekehrten Indiskretion.

Times mager

Nachhilfe

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Erneut kommt es in der S-Bahn zu einem eindrucksvollen Fall von umgekehrter Indiskretion. Diesmal wird ein Frauenarzt gesucht.

Es begab sich im S-Bahn-Verkehr einer großen Stadt, dass die junge Frau einen Frauenarzt suchte, weil sie medizinische Hilfe bei der Fortpflanzung benötigte, um neben dem bereits vorhandenen ein zweites Kind gebären zu können. Die junge Frau hatte bereits einen Frauenarzt, der allerdings im Stadtteil X praktizierte, während sie den davon weit entfernten Stadtteil Y bewohnte und ihr die Zeit fehlte, zu Fortpflanzungszwecken die ganze große Stadt zu durchqueren.

Woher wissen wir das? Die junge Frau ist ja nun nicht von Waggon zu Waggon gelaufen, um die Anwesenden zu fragen: „Sind Sie eventuell ein Frauenarzt aus Y, der mir bei meiner insgesamt zweiten Fortpflanzung helfen kann?“ Nein, die junge Dame besprach in beachtlicher Lautstärke ihr Telefon mit der Frage, ob man „bei Ihnen“ einfach so vorbeikommen könne, denn „ich habe einen Frauenarzt, aber der ist in X und ich versuche schwanger zu werden“.

Die Bemerkung eines Umsitzenden, wenn das so weitergehe, werde die Dame am Ende „die männlichen Fahrgäste zum öffentlichen Nahverkehr auffordern“, fanden wir unangebracht, zumal sie auf eine für uns nicht hörbare Nachfrage ihrem Telefon und uns anvertraute, „das“ habe sie „alles“ schon hinter sich.

Wir geben zu, dass auf das Phänomen der  umgekehrten Indiskretion, also des Eindringens unerbetener Informationen in den öffentlichen Raum, schon öfter hingewiesen wurde. Hier allerdings kommt hinzu, dass die Nutzung von Verkehrsmitteln für mobile Lebensäußerungen sich keineswegs auf den öffentlichen Personennahverkehr beschränkt.

Seine rechtzeitigen Bemühungen

So teilte uns der ICE-Zugbegleiter jüngst mit, dass der Zug nach München in Kassel „trotz meiner rechtzeitigen Bemühungen“ nicht erreicht werde. Vielleicht zeichnet die Bahn solche Ansagen auf, was die Versuchung steigert, die eigenen und sogar rechtzeitigen Bemühungen beim Arbeitgeber ins rechte Licht zu rücken, selbst wenn man nichts erreicht hat, nicht einmal den Zug nach München.

Auch der Individualverkehr ist ja vom mobilen Sprechen betroffen, wie jeder weiß, vor dem schon mal jemand mit Tempo 30 auf der Schnellstraße Schlangenlinien gefahren ist. Das wird sich allerdings, wie uns der Begleitbrief zur Kundenzeitschrift unserer Versicherung versichert, ändern. Und zwar genau im Jahr 2040, „wenn Autos Kinder vollautomatisch zum Fußballtraining fahren und unterwegs auch noch Nachhilfeunterricht bekommen“.

Das ist sicher gut für die Autos, aber wer kümmert sich, falls es dann noch Fortpflanzung gibt, um Nachhilfe für die Kinder?

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