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Die Chancen, die neue Ausgabe von Charlie Hebdo in Deutschland zu bekommen, stehen schlecht.
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Die Chancen, die neue Ausgabe von Charlie Hebdo in Deutschland zu bekommen, stehen schlecht.

Times Mager

Die Nachfrage nach Charlie

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Wer verkauft etwas, das 129 Euro wert sein kann, praktisch zum Selbstkostenpreis? Die kuriosen Ebay-Preise für "Charlie Hebdo".

Ein fairer „Sofort Kaufen“-Preis für manchen Ebay-Kunden an diesem Samstag: 129 Euro für einen „Charlie Hebdo“. Noch am Freitag waren es rund hundert Euro gewesen, die Willige für die jüngste Ausgabe bezahlten. Dass man in der Zwischenzeit an ein paar deutschen Zeitschriftenläden Hefte zum regulären Preis von vier Euro bekommen konnte, hat die absurde Preisentwicklung nur noch angeheizt. Das neueste Heft des Satiremagazins, von den überlebenden Mitarbeitern mit dem Schock im Nacken zu Papier gebracht, ist ein makabres Spekulationsobjekt geworden.

Die Bahnhofsbuchhandlung im Kölner Hauptbahnhof war fair genug, schon am Freitag ein Schild ins Fenster zu hängen: Man werde am deutschen Erscheinungstag kein einziges Heft anbieten können. Wahrscheinlich ist nur ein Bruchteil der angekündigten 5000 für den deutschen Markt überhaupt in die Läden gelangt. Wer verkauft schon etwas, das 129 Euro wert sein kann, praktisch zum Selbstkostenpreis?

Für 85 Euro ein Schnäppchen

Wohlmeinende Händler boten das Blatt bei Ebay für 85 Euro an. 50 waren es, wenn man mit einem Versand aus Frankreich zufrieden war. Und wer direkt auf der französischen Ebay-Seite einkaufte, konnte das Heft auch schon für 16 Euro (plus 15 Euro Versand) ersteigern, was wohl eine realistische Einschätzung des dauerhaften Sammlerwerts sein könnte. Nur Dummköpfe können glauben, ein Druckerzeugnis, das es zigtausendmal gibt und schon bei Erscheinen als sammelwürdig gilt, könne jemals einen Mondpreis wert sein. Aber so ist es, wenn sich Sensations- mit Raffgier mischt.

Dem Sammler, der am 9. Januar, zwei Tage nach dem Attentat, beschloss, sich von seiner 177-teiligen Sammlung zu trennen, wollen wir den Reibach dennoch gönnen: 20 050 Euro lautete das 78. und letzte Gebot. Der Startpreis hatte einen Euro betragen. Immerhin 1108 Euro erlöste am 16. Januar die letzte noch vor den Morden erschienene Ausgabe mit dem Michel-Houellebecq-Cover.

Wie absurd die Nachfrage nach einem schaurigen Zeitdokument inzwischen ist, lässt sich daran ermessen, dass man auch mit leeren Händen bei Ebay Verkaufserfolge feiern kann: Schon für einen Link zur Download-Ausgabe fanden sich willige Käufer, ebenso war jemand bereit, die bloße Fotografie eines Exemplars gegen Zahlung sein Eigen zu nennen – also eben jenes Abbild, mit dem der Artikel bei Ebay beworben wurde. Wie lässt sich dieser Kaufrausch erklären? Sind die Deutschen derart hungrig nach religionskritischem Humor? Oder gilt der Preis eher dem Platz auf der Autobahnbrücke mit dem besten Blick auf das brennende Wrack?

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