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Na ja, so unreif sind diese Bananen doch gar nicht, oder?
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Na ja, so unreif sind diese Bananen doch gar nicht, oder?

Times mager

Na ja

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Worte und Laute, die verdeutlichen, weswegen wir so gerne Zeitung lesen.

Vor einer Weile ging es um die Frage, wie höflich es sei, eine Antwort zu beginnen mit dem gemischten Buchstabendoppel: Na ja. Anlass war irgendein Aussagesatz. Nehmen wir an, einer der Gesprächspartner (zwei Männer) hätte gesagt: „Wenn man unrasiert mit einer reifen Banane in seinem Gesicht ausrutscht, hat das viel schwerer zu beseitigende Folgen als rasiert.“ Und der andere Gesprächspartner: „Na ja, man sollte sowieso Früchte meiden, die mit dem Flugzeug reisen.“

Worauf der Mann mit der Gesichtsbananenbremsspur sich beschwerte: Der andere, der ohne Banane, reagiere stets mit „Na ja“ auf Feststellungen des einen. Das sei ziemlich unhöflich. Es entwerte, Banane hin, Banane her, die zuvor getroffene Aussage. Und in der Häufung entwerte es auch die Persönlichkeit des einen.

Dem wollte der andere nicht folgen. Keineswegs gehe es ihm darum, etwas zu entwerten, weder den einen, noch die Aussage. Wenn überhaupt, dann höchstens die Banane, weil, wie gesagt, Flugobst. Sondern?, fragte der eine zurück. Na ja, Streuobst sei schon besser für die Umwelt als Flugobst, sagte der andere.

Seither muss man durchaus anerkennen, dass der andere ein wenig seltener „Na ja“ antwortet, was dem Verhältnis beider guttut. Zugleich hat sich „Na ja“ mit einer Geschwindigkeit in der öffentlichen Kommunikation verbreitet, wie man das bisher nur von „irgendwie“ (1970/80er Jahre) und „genau“ (2010er) kannte.

Rundfunkleute lernen in der Ausbildung heute offenbar, dass Schaltgespräche aus einer entlegenen Gegend (Kuala Lumpur, Nuuk, Tijuana, Bundesverkehrsministerium) reichlich „Na ja“ enthalten müssen.

„Meine Kollegin Tina Schmidt-Schulz ist vor Ort. Tina, läuft es in Klingonistan auf einen Putsch hinaus?“ – „Na ja, die Opposition hat vorige Woche versichert …“

„Gerd Brems in Berlin, ist die Banane krumm?“ – „Na ja, wenn man das Gesetz liest, dann …“

Das signalisiert, dass die Frage aus dem Studio zwar nicht völlig bekloppt war, es sich aber ganz anderes verhält, sofern man die Lage kennt. Womit die Frage also doch wieder zumindest ein bisschen Banane war. Wenngleich das Publikum davon ausgeht, dass die Fragen für solche Gespräche vorab von den Korrespondierenden ins Studio gekabelt werden, damit sie schon wissen, worauf sie gleich „Na ja“ sagen können.

Wer übrigens Zeitungsinterviews schon vor der Abschrift gehört (oder gar geführt) hat, weiß, dass auch dort längst jede zweite Antwort ein „Na ja“ enthält. Für die Zeitung lässt sich dergleichen aber leichter vorne abschneiden, genau wie die Millionen „Äh“, „Aaahm“ und (neu!) „Emme“. Deswegen lesen wir so gern Zeitung, oder? Ja gut, ich sach ma.

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