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Wie ungenormt doch so eine Ferienwohnung sich darstellt! In der falschen Schublade die Töpfe...
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Wie ungenormt doch so eine Ferienwohnung sich darstellt! In der falschen Schublade die Töpfe...

Times mager

Muster

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Tage des Irrens in einer Welt, die keinem vertrauten Muster zu folgen scheint: Ist das nun Urlaub?

Lassen Sie sich bitte nicht stören, niemand will Sie hier zu irgendetwas zwingen, es ist ein freies Land, alle können machen, was sie wollen, oder auch lassen, was sie nicht wollen, vom Impfen erst gar nicht zu schweigen, ums Verrecken nicht.

Der langen Rede kurzer Sinn: Sie müssen „Glitterschnitter“ nicht lesen, der Stil und der Humor von Sven Regener sind nicht jedermanns Sache, das gilt auch für Frauen, zumal, wenn da Leute vorkommen, die P. Immel heißen. Aber andererseits ist Regener einerseits auch äußerst lustig und wiederum andererseits ein sehr lebenskluger Mensch, weshalb Sie „Glitterschnitter“, seinen neuen Roman, dann vielleicht doch lesen sollten.

Nehmen Sie nur die Szene, in der ein Herr namens H. R. Ledigt in einem schwedischen Möbelhaus (das Times mager macht keine Ikea-Werbung!) eine Musterwohnung besichtigt und den Charakter des Gemütlichkeitsimitats einfach mal so mit einem großen Satz kommentiert: „Alles sagt: Dein Leben wird gelingen, du darfst nur nicht darin stören.“

In diesen Worten steckt eine Devise, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten: Wenn erst einmal alle Gegenstände, Personen, Gefühle etc. an ihrem Platz sind, ist „ein für alle Mal Ruh’“, um eine traditionelle hessische Elternweisheit zu zitieren. Denken Sie nur an die wohlgefällige Einheit von äußerlicher Bewegung und innerem Stillstand, die entsteht, wenn Sie zwischen Ihren unverrückbaren Möbeln die eingeübten Wege gehen, die täglichen Verrichtungen im Blindflug bewältigend und nirgends aneckend, wo Sie die Möblierung Ihres Lebens stören oder gar beschädigen könnten.

Wer es nicht glaubt, muss nur einmal das Risiko eingehen, in Urlaub zu fahren. Wie ungenormt doch so eine Ferienwohnung sich darstellt! In der falschen Schublade die Töpfe, die Tür zum Bad nach links und außen sich öffnend statt nach innen und rechts, Tage des Irrens durch eine Welt, die keinem vertrauten Muster zu folgen scheint. Kann das langsam sich einstellende Gefühl, mit all dem Fremden vertraut zu werden, wirklich dafür entschädigen? Zumal in der Gewissheit, nun bald wieder zu Hause sich dem einzig legitimen Muster neu anpassen zu müssen?

Um auch das noch zu sagen: Unsere ganz und gar individuellen Muster-Heimstätten stehen für Größeres. Sie sind Symbol und Vorbild für jenen Kosmos, in dem wir leben, ohne dass es ihn gibt: wohlsortiert, alle Unwägbarkeiten und Katastrophen durch beherzte Akte eines persönlichen und politischen Illusionismus einfach wegignorierend. Deutschland als Musterwohnung der ganzen Welt, in der nichts und niemand uns zu stören hat. Nicht einmal wir selbst.

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