Eine muskulöse Frau. Oder eine muskuläre?
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Eine muskulöse Frau. Oder eine muskuläre?

Times mager

Muskulär

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Verstehen Sie den Unterschied? Sprachliche Feinheiten sind manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen.

Richtung Konferenzraum humpelnd, erzählte Kollegin N., sie habe Sport getrieben. Die Frage nach der Art ihrer Verletzung beantwortete sie mit dem hochprofessionellen Hinweis, sie habe „muskuläre Probleme im oberen Wadenbereich“. Das immerhin, bemerkte ein Sport-Kollege, habe sie mit Jérôme Boateng gemeinsam, für den, wie kürzlich zu erfahren war, schon vor den Partien gegen England und Frankreich „das Länderspieljahr beendet“ gewesen sei.

Kollege S. konnte berichten, er habe kürzlich auf „Yahoo clever“ die Frage gelesen: Was ist der Unterschied zwischen muskulös und muskulär? Nun möge es für den einen oder anderen klar sein, dass Boatengs Waden maskulin muskulös und seine Probleme muskulär seien, so wie die Probleme der keineswegs maskulinen Kollegin N., und der Satz „Ich habe ein muskulöses Problem“ klinge doch für jeden falsch und jedenfalls gar nicht nach unterem Wadenbereich.

Aber die Frage bei „Yahoo clever“, schränkte Kollege S. sich selber ein, deute doch darauf hin, dass diese Feinheiten nicht ganz so leicht nachvollziehen seien, zumal wenn man das Deutsche nicht mit der Muttermilch aufgesogen habe.

„Baba24“ antwortete auf „Yahoo clever“: „Muskulär sind wir uns gleich, muskulös kann es große Unterschiede geben. Begriffen?“ Ehrlich gesagt: Nein. Aber „Anne“ klärte auf: „Der Mann ist muskulös gebaut, er hat aber muskuläre Beschwerden. Zum Beispiel Rheuma.“ Oder eben Boateng.

Kollegin N. berichtete, sie habe sich ihr muskuläres Malheur bei „Cardio & Style“ zugezogen. Was immer das sei, entgegnete Kollege S., bei Boateng handele es sich wahrscheinlich um Fußball. Er, Kollege S., spiele dagegen primär Solitär, und das sei zumindest muskulär nicht ganz so prekär wie der Aufenthalt in einer Vierer- oder einer Fitnessstudiokette, und wenn, dann allenfalls rudimentär.

So ging es eine Zeitlang hin und her, und Kollegin N. bemerkte, es sei schon schwer, spreche man doch zum Beispiel bei Problemen im Mundbereich eher von „oral“ als von „orär“, aber das klinge auch ein wenig ordinär, vom Gehirn ganz zu schweigen, denn dem gehe es wie dem Mund und der Arzt sage „zerebral“ statt „zerebrär“.

Kollege S. warf noch die Frage auf, ob das Muskelproblem, also das Vorhandensein sowohl eines „ös“ als auch eines „är“, noch bei irgendeinem anderen Wort auftrete. Eher nicht, vermutete er. Ominös, sagte Kollegin N.

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