1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Murks & Pfusch

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernhard Honnigfort

Kommentare

Bloß nicht wippen!
Bloß nicht wippen! © imago/Westend61

Wer im Schwimmbad von Hude vom Drei-Meter-Brett springen will, kann an die Decke knallen. Es geht aber noch schlimmer.

Wer nicht in Hude wohnt oder demnächst vorhat, nach Hude zu fahren, um im dortigen Schwimmbad vom Drei-Meter-Brett zu springen, der kann sich das Durchlesen der folgenden Zeilen schenken. Für alle anderen gilt: Kopf einziehen und vorsichtig sein. Aber erst, wenn sie in Hude, was bei Oldenburg in Niedersachsen liegt, im Schwimmbad oben auf dem Drei-Meter-Brett stehen und eigentlich nach angeberischem Wippen mit Karacho vom Brett ins Wasser springen wollen.

Womit wir beim Kern der Sache wären: dem Murks oder Pfusch. Murks und Pfusch sind bekanntlich Zwillingsbrüder, von denen sich der eine Bruder (Murks) gerne an Elektrogeräten oder Autos zu schaffen macht. Sein Bruder Pfusch treibt sich lieber auf Baustellen herum. Dem Schwimmbad von Hude, zum Beispiel. Dort hat man kürzlich für zweieinhalb Millionen Euro umgebaut und das Dach reparieren müssen. Dann war es fertig und man merkte: Es hängt zu tief. Beim kraftvollen Sprung vom Turm knallt der Springer an die Decke. Nun muss ein Bademeister aufpassen, dass niemand springt. Oder, wenn doch, dass er nicht wippt. Irgendwann soll ein neuer Turm ohne federndes Brett her.

Was soll man dazu sagen? Man könnte sagen: geht doch noch. Bruder Pfusch hat ganz, ganz andere Gesellen- und Meisterstücke abgeliefert. Der Berliner Großflughafen sei an dieser Stelle ausdrücklich nicht erwähnt, dafür aber der Bahnhof von Bad Bentheim. Eine schöne kleine Stadt an der holländischen Grenze mit uralter Burg und ebenjenem Bahnhof, der aus zwei Gründen berühmt ist: Einmal fuhr Kaiser Wilhelm II. mit seinem Zug vorbei, als er abgedankt hatte und ins holländische Exil verschwand, um bis ans Lebensende Holz zu hacken.

Der andere Grund ist: Im Sommer wurde der Bahnsteig um 38 Zentimeter angehoben, damit Rollstuhlfahrer besser zurechtkommen. Plötzlich tauchte Bruder Pfusch auf, niemand beachtete ihn, und am Ende war der Bahnsteig zwar 38 Zentimeter höher, aber die Türen des Bahnhofsgebäudes ließen sich nicht mehr öffnen. Fahrgäste mussten deshalb eine Zeitlang durch ein Fenster klettern. Die Gleise gehören der Bahn, das Häuschen der Stadt. Erst das eine, dann das andere, Ende 2017 will man sich auf gleicher Höhe begegnen. „Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird“, befand der reichlich mit Humor gesegnete Bürgermeister von Bad Bentheim, der übrigens Volker Pannen heißt, genau wie ein unangenehmer Vetter der Brüder Pfusch und Murks, und der deshalb eine Menge Spott und Grinsen aushalten musste. Auch die reine Wahrheit. Was soll man dazu sagen? Besser nichts.

Auch interessant

Kommentare