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Stellen Sie sich doch einmal  zwei Partikel hoch zu Ross vor, ihre Lanzen aufeinander richtend.
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Stellen Sie sich doch einmal zwei Partikel hoch zu Ross vor, ihre Lanzen aufeinander richtend.

Times mager

Muon

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Entdeckt: Ein „schwereres Geschwister“ des Elektrons, das Physikerinnen und Physikern eine lange Nase dreht.

Chemie war unter allen Schulfächern das drittschlimmste, aber wenigstens noch etwas Reelles. Da durfte man im Chemiesaal – der auch nur ein Klassenzimmer war, mit Tischen jedoch, die verheißungsvoll lädiert waren – dies und das zusammenschütten, auf dass es reagierte. „Reagieren“ bedeutete, dass das Gemisch zischen, stinken, rauchen, die Farbe verändern konnte. Oder auch spektakulär in Flammen aufgehen. Zwar standen wir eigentlich über solchen Effekten, wir waren ja keine Kinder mehr; doch als wir dann einmal Mutters Bügeltisch in Brand setzten, wussten wir immerhin, dass es sich um einen „Fettbrand“ handelte.

Mathematik war für die Neusprachlerin das zweitschlimmste Fach: Es passierte absolut nichts Interessantes, nicht mal eine kleine Verpuffung, aber man sollte sich komplizierte Wege merken, um zu einem Ergebnis zu kommen, das einen nicht die Bohne oder das Tortenstück interessierte. Längst konnten wir im Tante-Emma-Laden (den damals kein Mensch so nannte, das kam erst, als der TEL so gut wie ausgestorben war und alle ihn schützenswert fanden) bezahlen und aufpassen, dass wir das richtige Wechselgeld bekamen. Und beim Kartenspielen konnten wir, Punkte zählend, beweisen, dass wir wieder einmal gewonnen hatten.

Kommen wir nun zum schlimmsten aller Fächer: Physik. Okay, nichts gegen magnetische Felder; in einem gewissen Alter war unser Interesse am magnetischen Feld von Mitschüler F. oder Popsänger D. halt trotzdem größer. Ein paar Jahre später schien es uns urplötzlich erstrebenswert, die Relativitätstheorie zu verstehen. Wir kauften uns „Relativitätstheorie für Dummies“, denn wir schätzten die Gravitation unseres gedanklichen physikalischen Feldes durchaus realistisch ein. Während der Lektüre meinten wir kurz, es vielleicht doch zu kapieren. Nach der Lektüre zogen wir die Wurzel unseres Wissens und blieben beim Sprachenstudium.

Um nun zu lesen, dass ein neu entdecktes Teilchen möglicherweise sowieso die Physik, wie wir sie kennen oder eben auch schandhaft nicht kennen, über den Haufen werfen könnte. Man hat es „Muon“ genannt (nicht zu verwechseln mit Mukuh, die das Kind in Nachbars Stall besuchte).

Das Times mager kann im Folgenden nur referieren: Muon sei ein „schwereres Geschwister“ des Elektrons und fordere das „Standardmodell“ aller Partikel des Universums heraus. (Hier stellen wird uns zwei Partikel hoch zu Ross vor, ihre Lanzen aufeinander richtend.) Muon gehorche nicht einmal den „am wasserfestesten“ physikalischen Theorien. (Pedantin, die wir sind, möchten wir darauf hinweisen, dass „wasserfest“ ja wohl nicht gesteigert werden kann. Nimm das, Physik.)

Muon dreht also möglicherweise allen, die da forschen und denken, eine lange Nase. Gern würden wir jetzt behaupten, dass wir so das einst geahnt und darum etwas Reelles studiert haben.

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