Retten wir lieber die Bienen.
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Retten wir lieber die Bienen.

Times mager

E-Mücken

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Spüren Sie was? Angeblich gibt es doch keine Insekten mehr ... das scheint für Mücken nicht zu gelten.

Selbst wer bei Durchsicht vergangener Taten erschrocken feststellt, fast ausschließlich über Insekten zu schreiben (na schön, aber manchmal auch über Miezekatzen), wer also Gefahr läuft, seine Leserinnen und Leser mit dem immer gleichen Gesumse zu piesacken, wird um die Fakten nicht herumkommen: Wir sind verloren. Wahrscheinlich.

Denn während alle Welt zur Rettung sechs- bis tausendbeiniger Gesellen aufruft, ohne die sich selbige nicht weiterdrehen werde (die Welt), sprechen nahegelegene Waldböden eine ganz andere Sprache. Erst jüngst war es einem arglosen Wandererpaar schier unmöglich, noch einen Fuß dorthin zu setzen, wo keine Ameise gerade das Siebzehnfache ihres Körpergewichts nach Hause wuchtete. Rechts und links des Wegs: die Haufen der Formicidae. Nächste Woche übernehmen sie vermutlich die Weltherrschaft.

Wenn nicht, tun’s die Mücken. Dabei gebe es gar keine mehr, behaupten namhafte Windschutzscheibenforscher. Bis nach Spanien könne man nun vornherum ganz glasfrei fahren, weil: Nix übrig, was schwirrt, um von Fledermaus und Vogel verzehrt zu werden, Blume und Baum zu bestäuben, Frontscheiben zu benetzen.

Schlimm, wenn’s so wäre. Doch aufgepasst und mitgelauscht: Hören Sie was? Sie hören nichts. Spüren Sie was? O ja. In der Armbeuge. Am Fußgelenk. Im Nacken. Hinterm Ohr. Mückenstiche. Es ist mysteriös. Es ist fatal.

Früher gab es eine klare Absprache zwischen Mensch und Moskito. Wer sich nähert, um dem anderen Blut zu entnehmen, summt gefälligst laut und deutlich, worauf sich dem Bedrohten ein Zeitfenster zur Gegenwehr öffnet. Versäumt er’s, hat er verloren und muss sich drei Tage kratzen. Das war der Deal.

Heute jedoch sitzt der Mensch am Schreibtisch in seinem Zuhausebüro, sinniert darüber, dass sich eine Biene zunächst oft anhört wie ein Tenor in dramatischer Szene und sehr großer Entfernung, um bald darauf festzustellen, dass er sich seit einer halben Stunde kratzt. Zwangsläufig anschwellende Fragen: Bin ich taub? Oder sind Mücken jetzt geräuschlos? Gibt es, analog zur Automobilbranche, neuerdings Elektro- oder Plug-in-Mücken, die obendrein unsichtbar sind? Vor allem: Ist der humanitär-animalitäre Konsens aufgekündigt? Wird nun ohne Warnung angezapft?

Wie man liest, hat es aktuell eine Art auf uns abgesehen, die sich mit großer Dezenz nähert und noch größere Wunden hinterlässt. Angeblich sind der Kriebelmücke Pferde lieber als Menschen, aber wenn sie doch mal unsere Gastfreundschaft genießt, sollen wir anschließend nicht am Ort des Verbrechens kratzen.

Danke für den Tipp. Retten wir lieber die Bienen.

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