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Ein Briefkasten im Freien ist nicht immer von Vorteil.
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Ein Briefkasten im Freien ist nicht immer von Vorteil.

Times mager

Morgen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Gewohnheiten sind durchaus tröstend. Was also, wenn eines Morgens der Hund nicht da ist?

Wer noch gedruckte Zeitungen liest, ist einerseits bei Kälte im Nachteil, wenn der Briefkasten im Freien ist, andererseits immer im Vorteil, denn ein früher Gang nach draußen befördert die innere Stabilität.

Es ist zwar nicht so, dass das ganze Leben aus gleichförmigen Routinen bestehen sollte. Aber selbst in diesen Zeiten tut es mal ganz gut, quasi automatisch und in beruhigender Gleichmäßigkeit mit Vertrautem konfrontiert zu werden. In diesem Falle: Frau, Hund, Kleinwagen und noch mal Frau.

Da die Erwerbsarbeit an jedem Morgen zur gleichen Uhrzeit beginnt, liegt es auch nahe, die Zeitung jeden Morgen zur gleichen Uhrzeit aus dem Briefkasten zu holen (welche Uhrzeit das ist, wird hier nicht verraten, das gibt nur wieder Neiddebatten). Und Folgendes geschieht:

Frau eins überquert im Stechschritt, gezogen von ihrem schwarzen Hund, die Straße, auf deren gegenüberliegender Seite sich ein Grünstreifen befindet. Der Hund zieht die Frau immer an genau dieselbe Stelle, dreht sich einmal um die eigene Achse und setzt einen Haufen (ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie blöde selbst die sympathischsten Hunde dabei schauen?). Frau eins schaut diskret weg, holt ihr Beutelchen aus der Tasche, nimmt die Sache auf und lässt sich weiterziehen in Richtung Kleingärten.

Während der Hundesache ist das typische Geräusch eines Kleinwagens zu hören, in dem sich Frau zwei, offenbar durch frühen Arbeitsbeginn dazu gezwungen, dem Geschehen nähert, um auch gleich um die nächste Ecke zu verschwinden. Fertig.

Jetzt sagen Sie sicher: Na und? Mag ja sein, aber ist Ihnen klar, mit welchen gefährlichen Nebenwirkungen das Ganze verbunden ist? Sie müssten das mal erleben: Kaum haben Sie sich an die Gewissheit des Immergleichen gewöhnt, kommt eines Tages zwar der Kleinwagen angerauscht, aber Frau eins mit Hund ist nicht da. Oder umgekehrt. Oder es passiert gar nichts.

Schon kommen die bohrenden Fragen: Ist jemand krank? Müssen Sie nach Hund und Frauen schauen? Wenn ja, wo wohnen die überhaupt? Und was geht Sie das eigentlich an? Wurde die Kleinwagenfahrerin entlassen, der Hund operiert? Geht es in der Welt nicht auch so schon ausreichend drunter und drüber?

Ja, das tut es. Vielleicht ist es Ihnen als Kind ja auch so gegangen: Wenn jemand aus der Nachbarschaft weggezogen ist, haben Sie plötzlich gespürt, dass Vertrautes, das Sie für ewig gehalten hatten, auch einfach verschwinden kann. Es hat Sie gequält nicht zu wissen, was diese Leute, die doch zu Ihrem Leben gehörten, in einer Ihnen fremden Umgebung tun. Schön war das nicht.

Aber glauben Sie nur nicht, es ginge Ihnen besser, wenn Sie weder Hund noch Zeitung haben.

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