TimesMager_136601494.jpg
+
Fischer will Schriftstellerin Monika Maron über den für 2021 angekündigten Essayband mit dem in diesem Zusammenhang fabelhaften Titel „Was ist eigentlich los?“ hinaus keinen neuen Vertrag anbieten.

Times mager

Mit Rechten flirten: Verlag trennt sich von Monika Maron

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

Nach Bekanntwerden von Verbindungen zum neurechten Antaios-Verlag will der S. Fischer Verlag die Bücher von Monika Maron nicht länger publizieren. Die Kluft öffnete sich schon früher.

Tragisch, wenn ein Verlag sich nach vierzig Jahren von einer verdienten Autorin trennt. Seit Monika Marons Roman „Flugasche“ nicht in der DDR, aber 1981 in der Bundesrepublik bei S. Fischer erscheinen konnte, hatte die Schriftstellerin im Frankfurter Haus eine verlegerische Heimat. Jetzt nicht mehr. Fischer will der Schriftstellerin über den für 2021 angekündigten Essayband mit dem in diesem Zusammenhang fabelhaften Titel „Was ist eigentlich los?“ hinaus keinen neuen Vertrag anbieten. Auch dafür sei noch kein Vertrag unterschrieben, erklärte Monika Maron allerdings. „Als Autorin bin ich nun heimatlos, was mit 79 Jahren durchaus eine Frage der Existenz ist“, sagte sie in der „Welt am Sonntag“, wo sie in einem Interview die Nachricht veröffentlichte.

Die Erzählerin im neuesten Roman von Monika Maron stöhnt über die Dummheit der anderen

Einem Interview, in dem sich Monika Maron erneut auf ihre „allergische Reaktion“ gegen die „Schere im Kopf“, gegen den „vorauseilenden Meinungsgehorsam“ berief und auf die Frage der Interviewerin, weshalb ihrem jüngsten Roman „Artur Lanz“ „vor allem von Frauen“ mit solcher „Feindseligkeit“ begegnet werde, erklärte: Das könne sie nur vermuten. „Vielleicht weil ich mich in erster Linie nicht als Frau, sondern als Mensch verstehe. Oder weil ich mich gegen die immer irrer werdende Gendersprache wehre, weil mich dieses Kauderwelsch peinigt. Oder weil ich das muslimische Kopftuch für ein Zeichen der Unterdrückung und nicht der religiösen Freiheit halte. Das reicht offenbar, um als neurechts oder sogar rassistisch zu gelten.“ Ermüdend natürlich, wie Unterstellungen die Auseinandersetzung trotzig beenden. Auch die Erzählerin in „Artur Lanz“ stöhnt am laufenden Band über die Dummheit der anderen.

Monika Maron und die unheilige Allianzen zu Verlagen der Neuen Rechten

S. Fischer zitierte recht knapp die Verlegerische Geschäftsführerin Siv Bublitz: „Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert.“ Die bisherigen Maron-Titel wolle Fischer gerne weiter im Programm führen, hieß es. Von der Loschwitz-Antaios-Kooperation habe sie nichts gewusst, so Monika Maron. Ihr Essayband erschien in diesem Jahr in der Reihe „Exil“, Antaios bewirbt sie als „eine Zuflucht für die Kunst, die sich einem Klima zunehmender politischer Anfeindung ausgesetzt sieht. EXIL beginnt mit Essays von Monika Maron und Jörg Bernig und einer Erzählung von Uwe Tellkamp. Lesen Sie mit galligem Gelächter gegen das Geschwätz und gegen den Zeitgeist an, finden Sie Zuflucht im kräftigenden Wort. Greifen Sie zu dem, was in der Buchhandlung um die Ecke nicht mehr verkauft wird.“

Vielleicht wäre es trotzdem souveräner gewesen, die Zusammenarbeit lakonisch fortzusetzen. Vierzig Jahre sind nicht nichts. Aber es ist auch keine Wortklauberei, darauf hinzuweisen, dass Monika Maron sich schon vorher im Exil am Platze sah. (Judith von Sternburg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare