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Hätte Picasso zum Mond fliegen können, hätte er es dann getan? Und was hätte er dort gemacht?

Times mager

Mondfahrt

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Was wäre gewesen, wenn Picasso zum Mond hätte fliegen können?

Der Reisende zu Cyrano de Bergeracs „Mondstaaten“ fand dort schon vor mehr als 350 Jahren eine illustre Gesellschaft vor, mit der er anregende Gespräche führen konnte, Gespräche, die auf der Erde in dieser Offenheit und Modernität kaum möglich gewesen wären. Peterchen hingegen begegnete Anfang des 20. Jahrhunderts – die Zeit war rauer geworden und die Mondoberfläche mittels besserer Ablichtung auch – nurmehr einem gewaltbereiten und Argumenten unzugänglichen Mondmann.

Heute gilt der Mond als hinlänglich besungen, aber auch todsicher unbewohnt. Insofern stellt sich die Frage, was eine Mondfahrt der Kunst noch mehr geben soll, aber sie stellt sich nicht dem Milliardär Yusaku Maezawa, der auf seine angekündigte touristische Mondumrundung sechs bis acht Künstler einladen will. Er frage sich nämlich, so Maezawa, was gewesen wäre, wenn Picasso zum Mond hätte fliegen können. Ja, was nur? Die „New York Times“ ist jetzt hingegen auf die gute Idee gekommen, einige Künstlerinnen und Künstler um konkrete Ideen und Anregungen zu bitten. Diese reagierten mit dem gebotenen Maß an Ironie, Drastik und Neugier.

Der Architekt Daniel Libeskind schlägt beispielsweise vor, den Mond quadratisch zu machen. Man müsse dafür mehrere große Areale seiner Oberfläche schwarz anstreichen, damit sie die Sonne nicht mehr reflektieren könnten. Er habe das mit seinem als Astrophysiker tätigen Sohn bereits durchgesprochen. Schätzungsweise werde das ungefähr 10 Billionen Dollar (umgerechnet gut 8,5 Billionen Euro) kosten. Deutlich preiswerter ist der Vorschlag des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der den Perspektivwechsel nutzen und vom Mond aus über den Stellenwert der Erde reflektieren will. Sie sei dann sicher viel weniger wichtig. Nehme ich auch an. Sieht natürlich auch nicht ganz so interessant aus.

Die New Yorker Künstlerin Kara Walker regt an, für jedes neugeborene Mädchen auf der Erde einen erwachsenen weißen Sexisten und Rassisten zum Mond zu schicken. Dort, so Walker, könnte eine Kolonie entstehen, deren Bewohnern die monochrome Umgebung doch entgegenkommen müsste. Hito Steyerl indes würde versuchen, die anderen eingeladenen Künstler davon zu überzeugen, nicht mitzufliegen und stattdessen auf der Erde etwas Anständiges zustandezubringen. Yusaku Maezawa, so Steyerl, könnte man derweil einen Picasso-Klon mitgeben, der mit ihm auf dem gewünschten hohen Niveau herumzufliegen bereit sei.

So viel dazu. Den Quadratmond allerdings, wer würde ihn sich nicht anschauen? Von hier aus natürlich, nur von hier aus, mit Abstand und leicht blasiert.

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