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Der erste Realitätscheck.
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Der erste Realitätscheck.

Times mager

Moko

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Was, wenn man jetzt zwei Jahre Ferien hätte? Ach so, darum geht es leider gar nicht. Eine Erinnerung an den Schulunterricht und die Zeit, als Fernsehen noch kein Flitzpiepenmedium war.

In der Schule befassten wir uns mit „Zwei Jahre Ferien“, dem Traum aller Schüler, abgesehen davon, dass man nicht einfach nur träumen durfte, sondern lesen musste, von Jules Verne. Die Unterrichtseinheit dauerte gefühlte zwei Jahre. Ungefähr nach siebzehn Monaten stellte der Lehrer die Eine-Million-Euro-Frage. Sie hatte irgendetwas mit Moko, dem Schiffsjungen, zu tun, und sie war schwierig. Wer mir diese Frage beantwortet, sagte der Lehrer, der kriegt eine Eins.

Die Aufgabe bezog ihre Härte unter anderem aus der Tatsache, dass die meisten Betroffenen vor nicht allzu langer Zeit die Verfilmung des Stoffs gesehen hatten. Im Buch hieß der Schiffsjunge Moko und war ein zwölfjähriger schwarzer Junge; im Fernseh-Vierteiler hieß der Schiffsjunge Dick Sand und wurde von einem gewissen Franz Seidenschwan gespielt, der zum Ausstrahlungstermin zwanzig Jahre alt war und auffallend blond. Wie sollte man sich da auskennen?

Fernsehen war damals nicht irgendein Flitzpiepenmedium. Natürlich gab es noch keine Eine-Million-Euro-Frage, es gab ja auch keinen Euro, und was auf dem Bildschirm stattfand, hatte mitunter Hand und Fuß. Was im Fernsehen vor unseren Augen geschah, konnte es durchaus mit der gelesenen Wirklichkeit in einem rund 87 Jahre alten Buch aufnehmen. Wie sah denn jetzt der echte Schiffsjunge aus?

Opa und der Rasierapparat ohne Klinge

Es war eine Zeit, in der junge Leute ohnehin erste Brüche in der Realität zur Kenntnis nehmen mussten. Der Rasierapparat, den der Opa dem Enkel in die Hand drückte, enthielt keine Klinge. Gemeinsam seifte man sich ein, synchron zog man das Utensil Bahn für Bahn durch sein Gesicht, der Opa betrachtete sich dabei im Spiegel, der Enkel in Omas blankgewienerten Frankfurter-Bad-Kacheln, und am Ende waren beide Kandidaten genau gleich glatt im Gesicht. Obwohl einer von beiden gar keine Klinge im Rasierer hatte, wie der Opa immer wieder verblüfft feststellte.

Surreal. In einem modernen Flitzpiepenmedium fragte jemand, was das bedeutet: „John Doe hasn’t shared anything on this page with you“ (Otto Normalverbraucher hat auf dieser Seite nichts mit dir geteilt). Sieben Antworten, davon drei Mal „da kann ich dir leider nicht (weiter)helfen“, einmal „muss leider passen“ und einmal „da kenne ich mich nicht aus“. Das ist freundlich, aber wenig effektiv.

So ähnlich ging die Sache auch bei der Frage mit dem Schiffsjungen aus. Nachdem der Lehrer die Klasse so richtig heiß auf die Eins gemacht hatte, wagte keiner mehr einen Mucks, außer Markus M., der mit einer Gegenfrage antwortete: „Darf ich mal aufs Klo?“

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