Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schön anzusehen, weniger schön anzuhören.
+
Schön anzusehen, weniger schön anzuhören.

Times mager

Moin

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Auf Hörkontakt mit Singschwänen und auf Körperkontakt in der Bäckerei.

Es wäre kein quietschender Rollladen, wenn das Geräusch ganz aus der Nähe käme. Und kein landwirtschaftliches Gerät von 1890. Aber es kommt eher aus der Ferne, also sind es keine Kraniche. Vielleicht sind es manchmal sogar doch Kraniche. Der seltsame Winter hat ihre Reisepläne verwirbelt. Realistisch betrachtet sind es jedoch Singschwäne. Was man so Gesang nennt unter Schwänen. Ein Gesang wie ein quietschender Rollladen. Wenn man nachts das Fenster offen lassen kann, gibt es nichts Schöneres. Es gibt nichts Schöneres.

In dieser Gegend ist es nachts so still, dass man die Singschwäne und die Gänse aus der Entfernung hört, auch den Großen Brachvogel, wenn man wüsste, wie der Große Brachvogel sich artikuliert, und tags so still, dass die Unterschiede zwischen einem Männer-Moin und einem Frauen-Moin deutlich hervortreten. Ein Männer-Moin ist kurz und zackig, militärisch, aber mehr wie eine Militärparodie. Ein Frauen-Moin ist weicher. Es wird als kleines Lied mit einer winzigen Melodie gesungen, eine Terz abwärts.

Wenn es erlaubt ist, ein Hüpfer zurück ins alte Jahr, ganz ans Ende von Einundzwanzig an der Küste. Da gilt es, Brot vorzubestellen für den Silvestertag. Eine kluge Entscheidung, wie die Frau vom Bäckereistand im lütten Supermarkt bescheinigt, aber bringen Sie Zeit mit morgen, sagt sie, denn schauen Sie mal. Und blättert die Vorbestellungen durch. Ein Stapel Vorbestellungen, dick wie tausend Euro in Zwanzigerscheinen.

Am Silvestermorgen also nichts wie hin zum Bäckereistand im Supermarkt, eine echte Bäckerei übrigens, angeblich die besten Brötchen vor Ort, nur eben räumlich im Supermarkt mit drin. Die Lage bei Ankunft: entspannt. Keine Schlange draußen. Die Lage bei Betreten des Supermarkts: verzweifelt. Die Menschen haben sich im Inneren aufgereiht. Durch den ganzen Markt, als Lindwurm zwischen den Regalen. Ist ja nur eine Pandemie.

Nicht ganz leicht, die ungeduldige Dame im Rücken auf Abstand zu halten (nein, Körperkontakt läuft immer noch nicht unter der Rubrik Abstand). Auch nicht ganz leicht zu ertragen, dass die, die vorbestellt (und bezahlt!) haben, ebenso Schlange stehen müssen wie die, die jetzt in Ruhe überlegen, was sie eigentlich brauchen, natürlich erst, sobald sie dran sind, und dann alles an Ort und Stelle sorgfältig in ihren Rucksack packen.

Wer will es einem verdenken, wenn man selbst, endlich am Tresen angelandet, zu sich sagt: Ach, komm her, geh fort, ich nehme noch zwei Stück von dem Gebäck, das sie hier Pfannkuchen nennen, auch Berliner, und das selbstverständlich Kreppel heißt, wie denn sonst. Moin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare