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Der malerische Rheintal.
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Der malerische Rheintal.

Times mager

Mobilisierung

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Die Loreley, heißt es in einem Hit von 1823, lässt Wehmut in dem zurück, der sie erblickt hat. Aber ist das nicht ganz angenehm?

Im Jahr 1823, eben in dem Jahr, betont der Zugreisende, werde die Loreley zum Hit. Nicht nur ein Heinrich Heine habe sie entdeckt, auch ein Karl Geib habe ihre Stimme ganz deutlich vernommen. Mal im Abendgold, mal im Silberlicht des Mondes seien Sehnsucht und Wehmut aufgezogen. So sei es den Rheinfischern und Rheinschiffern ergangen, erzählt der Reisende weiter, und deswegen seien beide, Fischer und Schiffer, hochgradig gefährdet gewesen.

Aber woran lag es, an der Veranlagung der Männer oder am Zutun des Zauberfräuleins, fragt der IC-Reisende. Geib, meint der Reisende, sei sich sicher gewesen: „Doch wer vom Wasser oder Land/ Zur Jungfrau hebt den Blick,/ Dem plötzlich sie wie Duft entschwand,/ Lässt Wehmut ihm zurück./“

Das, so fragt der Rheintalreisende nach einer kurzen Bedenkphase, sage was? Dass die Melancholie, mögen die Verse noch so holprig sein, ein monumentales Verlangen sei. Wolle die Wehmut eigentlich errettet werden, gibt der Reisende im Beisein des zweiten Reisenden zu bedenken. Oder beschwärme sich die Melancholie nicht etwa gern unerlöst?

Schon, sagt der andere Reisende, hier, im IC, hier im Mittelrheintal.

Etwas anders gesagt, lächelt er, es sei bei der Melancholie nicht allein um sie gegangen, sondern um die Mobilisierung derselben, wobei die Frage berechtigt sei, eine Frage, die immer schon gestellt worden sei, ob die Melancholie deswegen so gewirkt habe, weil sie gar nicht erst geweckt werden musste. Die Melancholie, war sie also etwas Künstliches oder war sie etwas Natürliches? Und war damit wiederum die Mobilisierung gar nicht so sehr etwas Künstliches, vielmehr etwas Natürliches? So greift der gegenübersitzende Reisende den Gedanken auf und ergänzt: Für mein Dafürhalten schon, quasi als mentale Disposition.

Neue Facette in der Interpretationsroutine

Ein schöner Reim! Die beiden Reisenden lachen hinweg über das IC-Großraumwagentischchen. Das, sagt einer der beiden Loreleybetrachter, erkläre einiges, jedenfalls füge es den üblichen Loreleydeutungen, der gängigen Interpretationsroutine, eine weitere Facette hinzu. Die Loreley als Medium der Melancholiemobilisierung, das sei das eine, die schillernde Seite der Loreley. Aber warum traf sie eigentlich einen Nerv, nur wegen fremdbestimmter Mobilisierungsabsichten?

Natürlich könne man auch die Melancholie durch und durch materialistisch sehen, zumal im 19. Jahrhundert, denn natürlich war die Melancholie etwas Gemachtes. Aber, so ergänzt einer der beiden Reisenden, was heiße schon natürlich?

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