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Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
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Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Missbrauch

Ein deutscher Rundfunksender berichtete kürzlich über die Protestbewegung im Iran: "Regimegegner werden im Iran gerne mal misshandelt und hingerichtet." Das Wörtchen "gerne" wird in letzter Zeit gerne mal missbraucht. Von Stephan Hebel

Das Wörtchen "gerne" wird in letzter Zeit gerne mal missbraucht. Beziehungsweise wahrscheinlich eher ungern. Aber genau hier liegt das Problem.

"Im Urlaub trinke ich gerne mal ein Bier." Wenn Sie das sagen, dann reden Sie nicht nur von den geschmacklichen und/oder euphorisierenden Qualitäten des alkoholischen Getränks, das Sie "gerne" trinken. In Ihrem Vortrag steckt nicht nur Qualität, sondern auch ein Hauch von Quantität: Das "gerne mal" wirkt als Dementi der Formulierung "ein Bier". Was man "gerne mal" tut, das tut man nicht einmal, sondern eher häufig.

Nun ist mit dem "gerne mal" etwas Seltsames passiert. Um beim Bier zu bleiben: Hieß es früher korrekt und doppeldeutig "In dieser Kneipe trinken die Leute gerne mal ein Bier" (vulgo: Hier wird genüsslich und reichlich gesoffen), so schlich sich nun eine grammatikalische Passivität der Trinker ein. Sie tut so, als genössen nicht etwa die Trinker das Trinken, sondern das Bier das Getrunkenwerden: "In dieser Kneipe wird gerne mal ein Bier getrunken." Ach, wenn Biere fühlen könnten - würden sie wirklich gerne getrunken?

Das mag uns beim Bier egal sein, es hat schließlich keinen anderen Daseinszweck und wird sowieso nicht gefragt. Nehmen wir aber statt des Bieres zum Beispiel die Kinder, dann sieht die Sache schon ernster aus. "In der Urlaubszeit vergessen Eltern häufig ihren Nachwuchs an der Raststätte" - alles klar. "In der Urlaubszeit vergessen Eltern gerne mal ihren Nachwuchs an der Raststätte"? Das unterstellt den Eltern neben der Häufigkeit auch den Genuss am Vergessen der Kleinen - immerhin noch denkbar. Nun aber formuliert der Volksmund: "Kinder werden in der Urlaubszeit gerne mal an der Raststätte vergessen." Das dürfte, wenn überhaupt, nur auf ältere Kinder zutreffen und auch bei ihnen nur auf eine Minderheit. Die meisten wären sicher lieber mitgefahren.

Pedanterien eines Sprachpuristen, sagen Sie? Vor kurzem berichtete ein deutscher Rundfunksender über die Protestbewegung im Iran und ihre Folgen. "Regimegegner werden im Iran gerne mal misshandelt und hingerichtet." Wer die Sprache missbraucht, missbraucht nicht die Sprache allein.

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