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Bienen können schon mal stechen, aber was macht das schon: Wegsterben dürfen sie auf keinen Fall.
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Bienen können schon mal stechen, aber was macht das schon: Wegsterben dürfen sie auf keinen Fall.

Insekten

Mischthaufm

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Leben mit und neben Insekten: Für den jungen Helden mehr als problematisch.

Am Samstag stieg der junge Held versehentlich mit dem linken Fuß, mittlerer Zeh, auf eine Biene, die unverzüglich zustach. Verständlich. 

Am Sonntag fuhr die Familie an denselben Badesee. Wieder ergatterte sie nur noch einen Liegeplatz in deutlicher Entfernung zum Wasser, und als der junge Held, kaum des Gehens mächtig, sich erneut auf den Weg vom mütterlichen Handtuch zum Strand machte, trat er mit demselben Zeh an demselben Fuß auf – nein, nicht dieselbe Biene, aber offenbar auf eine nahe Verwandte mit ähnlichen Stechgewohnheiten. 

Jeden Winter hielt die Familie in ihren bescheidenen Räumlichkeiten eine Hausfliege, die nicht direkt herzlich eingeladen war, aber auch nicht verjagt wurde, solang sie sich betrug. Die Mutter des jungen Helden gönnte sich, wiederum in einem der nächsten Sommer, ein Eis am Stiel, um das sie mit einer Wespe konkurrierte, was letztlich in einem Stich in den Hals (der Mutter) gipfelte (von innen). Mehrere weitere Eise am Stiel waren nötig, um die Sauerstoffversorgung der Mutter aufrechtzuerhalten. 

In einer Silvesternacht fuhr die Familie mit dem Auto nach Hause: Vater, Mutter, Kind und eine fünfmarkstückgroße Spinne, deren Heimweg offenbar quer über die Nase des jungen Helden führte. Wenige Monate danach erwachte er morgens im Angesicht einer weiteren, gut zehnmarkgedenkmünzengroßen Spinne, die ihm auf der Bettdecke entgegenrannte, ganz offenbar glücklich, dass er endlich zum Spielen munter geworden war. Dreimal von einer Libelle gestochen zu werden, bedeute den sicheren Tod, hieß es seinerzeit in Kinderhortkreisen. Als er Jahre später in einer Gaststättenküche jobbte, arbeiteten dort auch zahlreiche kleine Tiere, die mit Vorliebe in der Mehldose wohnten, aber auch jederzeit aus jedem Schrank und jeder Schublade zu strömen vermochten, wenn man sie störte. 

In einem der ersten Redaktionsräume, die der nicht mehr so junge Held bezog, musste er sonnenheiße Tage mit den Kollegen bei geschlossenem Fenster und eingeschaltetem Licht durchleiden; draußen an der Scheibe saß regelmäßig ein riesiger Apparillo von Monster, gleichsam ein Flugsaurier, der den Raum verdunkelte und vermutlich den Stadtteil in Atem hielt, auch wenn davon, seltsam, nie etwas publik wurde. 

Beim Wandern in den Bergen machten Schmetterlinge eine kurze Rast auf den geblümten Söckchen der bezaubernden Gattin wie auch auf dem Unterarm eines Alpinisten, der trocken kommentierte: „Geschtern fei noch aufam Mischthaufm, jetzat bei mir aufam Oarm.“ Daheim auf dem Balkon konnte, wer den Mut hatte, Hummeln von Blüte zu Blüte über seinen Zeigefinger als Brücke huschen lassen. 

Liebe Menschheit, nicht immer ist das Leben mit Insekten einfach, aber ohne Insekten wäre alles eine noch viel größere Katastrophe. Habt ihr gehört, sie sterben uns weg (und den Vögeln). Lasst bitte Wildblumen in rauen Mengen wachsen, die mögen sie. 

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