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Times Mager

Miri

Sie braucht kein grobes Wort. Sie braucht nur eine Stimme, die vor Kälte klirrt: Ja, ja, nein, nein. Von Judith von Sternburg

In der S-Bahn ist schwer was los. Von vier Mädchen hat eines eine schlechte Nachricht erhalten. Heute morgen um halb 11 Uhr ließ ihr Freund am Handy durchblicken, dass er nicht alleine war. Es ging um eine Frau namens Miri. Wer ist Miri? Ein Missverständnis? Eine Unverschämtheit? Ein Trennungsgrund? Soll man, will man jemals noch über etwas anderes sprechen? Nein, nur kurz über Fußball. Was ist das für eine WM, an der die Schweiz teilnehmen darf, die Türkei aber nicht? Was, die Türkei darf nicht an der WM teilnehmen?

Um aber auf Miri zurückzukommen: Kann es nicht doch sein, dass er es nicht so gemeint hat? Da klingelt das Handy. Er ist am Apparat. Das Drama könnte seinem Höhepunkt entgegeneilen. Die drei Freundinnen klemmen mehr oder minder mit am Handy. Es ist der beste Moment des Tages. Das Mädchen, dessen Freund Besuch von Miri hatte, zeigt ihm nun, was eine Harke ist.

Sie braucht dafür kein grobes Wort. Sie braucht nur eine Stimme, die vor Kälte klirrt. Ihre Rede ist ja, ja, nein, nein. Und: Ich kenn dich nicht, ich weiß nicht mehr, wer du bist. Das hindert sie nicht dran, eine Kartenkontrolle zu erledigen und sich mit Küsschen von den Freundinnen zu verabschieden, die in Griesheim aussteigen. Ich liebe dich, ruft sie einer von ihnen nach und sagt freudig ins Telefon: Nein, dich mein ich nicht.

Nach dem Abgang von Dreivierteln des Quartetts hat sich das Thema bald erledigt. Der Mensch, der Miri traf, wird zügig abgefertigt, wobei alles offen bleibt. Vielleicht sieht man sich heute Abend, ja, ja, vielleicht.

Das Mädchen kann nicht wissen, dass auch die Fahrgäste in der benachbarten Sitzgruppe an ihrem Schicksal längst Anteil nehmen. Und in dieser Zeit zum Beispiel über die Seiten 50 und 51 von Klaus Bellins an sich interessantem Buch "Es war wie Glas zwischen uns. Die Geschichte von Mary und Kurt Tucholsky" nicht hinauskommen. Da steht, dass Mary Gerold im Tagebuch notierte: "dieser fremde Mann ist es, den du zwei Jahre so geliebt hast?" Man liest von Tucholskys haltloser Eifersucht. Trennungen waren gleichwohl unscharf und vorübergehend.

Die Liebe macht uns alle gleich.

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