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Mirácoli

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Von: Thomas Stillbauer

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Haustierhalter atmen auf: Zur Mars-Palette gehört unter anderem auch Hunde- oder Katzenfutter..
Haustierhalter atmen auf: Zur Mars-Palette gehört unter anderem auch Hunde- oder Katzenfutter.. © REUTERS

Bei der routinemäßigen Überprüfung einer FR-Schreibtischschublade findet sich ein Beutel Snickers Minis einer potenziell kontaminierten Charge. Und was nun?

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Als der Mensch einst aus der Ursuppe stieg, ernährte er sich von den Früchten der Heimat, nicht von Snickers, Mars oder Bounty. Das war auch besser so, wie sich unlängst erwies, als ein Endkonsument einem zunächst undefinierten Plastikteil in seinem Schokoriegel begegnete. Es folgte eine der bedeutendsten Rückrufaktionen seit Ostern 33 n. Chr. Lesen Sie heute: Ein Betroffener berichtet.

Februar 2016. Ein Stück Kunststoff schockiert die völlig unvorbereitete Weltöffentlichkeit. Es soll rot sein und in einem Produkt der Firma Mars Incorporated gesteckt haben. Nach anfänglicher Orientierungslosigkeit, um was für ein Lebensmittel es sich konkret handelt, schnürt sich die Schlinge um den Schokoriegelsektor zu.

Februar 2016. Haustierhalter in allen Erdteilen atmen erleichtert auf. Zur Mars-Palette gehören immerhin auch Chappi, Frolic, Loyal, Whiskas, Trill und Royal Canin. Unter anderem.

Februar 2016. Royal Canin? Loyal? Was müssen Hunde heutzutage alles fressen?

Februar 2016. Die Rückrufaktion in 55 Ländern auf der ganzen Welt ist im vollen Gange. Die Mars-Telefonhotline bricht zusammen. Bei der routinemäßigen Überprüfung einer FR-Schreibtischschublade findet sich ein Beutel Snickers Minis der potenziell kontaminierten Charge, Mindesthaltbarkeitsdatum 17/07/2016.

Februar 2016. Ups. Der Inhaber dieser FR-Schreibtischschublade hat just einem Kollegen ein Exemplar Snickers Mini geschenkt. Ist es schon verzehrt? Private Rückrufaktion.

Februar 2016. Telefonleitung immer noch 24/7 belegt. Man kann sich auch per E-Mail als Opfer registrieren lassen. Mars verspricht Ersatz für die verdächtige Ware – und „ein süßes Päckchen“ obendrauf.

März 2016. Was mache ich jetzt? Der inkriminierte Snickers-Beutel ist doch noch fast voll. Es reicht sicher, wenn in der Rücksendung noch zwei Stück übrig sind. Und wenn ich ganz vorsichtig kaue …

März 2016. Andererseits: Es könnte mein letzter Riegel sein. Irgendwoher muss der Begriff Endverbraucher ja kommen.

März 2016. Ein Brief mit Adressaufkleber trifft ein. Für die Verpackung muss ich offenbar selbst aufkommen.

März 2016. Erledigt. Wo bleibt mein süßes Päckchen?

April 2016. Post von Mars: „Hier kommt ein Päckchen zum Genießen für einen treuen und zufriedenen Kunden!“ Hüstel. Inhalt: ein Beutel Minis, eine Zehnerpackung Snickers Sticks – und einmal Mirácoli Bolognese.

Man soll immer gut kauen. Hat schon die Oma gesagt.

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