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Es ist eine Windhose! – Hui.

Times mager

Minitornado

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Hoppla, eine kleine Windhose. Und nur wir können sie sehen und kein anderer!

Oh, eine Libellenfamilie? Ist es etwa eine Gruppe Libellen? – Wo denn? – Da: schau! – Hui! Aber Libellen, jetzt, um diese Jahreszeit, so früh und bei diesen Temperaturen? – Oder aber ein Heuschreckenschwarm, der da wirbelt? – Hier? Ein Heuschreckenschwarm, hier? Im Vogelsberg?

Im Vogelsberg verwirbelt etwas in der Luft, es sieht aus wie eine Anzahl daumenlanger Insekten. Sie tanzen miteinander im Kreis, immer schneller, immer wilder, immer rundherum. Es ist Stroh, wie sich erweist.

Nein, schau jetzt, es ist Stroh! Es ist eine Windhose! – Hui.

Es ist eine Windhose, die über den trockenen Boden zieht und Strohhalme verwirbelt. Nur wir können sie sehen, keiner der anderen. Und die anderen sind viele. Noch nie waren die anderen so zahlreich hier draußen. Doch die anderen schauen in die andere Richtung.

Jetzt, da möglichst viele drinnen bleiben sollten in dieser Zeit, sind so viele draußen wie nie zuvor. Hier jedenfalls, in der Höhe. Aber auch unten am Fluss. Es ist ja erlaubt, sagt ihre schiere Zahl, zu zweit ist es ja erlaubt, und vor lauter Rechtmäßigkeit verwirbeln auch die Eineinhalbbiszweimeter, die sozialen Distanzen. Verwirbeln zu Staub und Aerosolen.

Wenn es eine Plastiktüte gäbe, würde die Windhose sie nehmen und drei Meter, vier Meter in die Höhe wirbeln, würde sie mit sich nehmen, würde die Tüte beuteln, aber es gibt keine. Wir sind ja in der Natur hier. Sozusagen. Alles sauber, alles o.k., rein äußerlich.

An der Quelle des Flüsschens sammeln sich die Leute zur Rast und lesen das Schild: N.-Quelle. Die einen füllen sich Quellwasser in Flaschen. Die anderen schauen zu. Die Hoffnung lebt, dass keiner der Hunde vorher drinnen war im gestauten Quantum Quellwasser. Mehr Hunde hier, als es Libellen gewesen wären, wenn es Libellen gewesen wären, und Leinen los. Es ist Brutzeit, aber egal, komm her, Leinen los. Der tut nix. Vielleicht hat er in die Quelle gepinkelt. Aber sonst tut der nix. Sonst ist der ganz brav. Gell!

Bisschen mickrig, urteilt eine Frau über die Quelle. Sie hatte sich die Quelle beeindruckender vorgestellt, auch wenn es sich nur um die Quelle eines wirklich kleinen Flusses handelt.

Die Windhose überquert den Weg am Teichrand und zieht aufs Wasser. Die Strohhalme lässt sie zurück. Jetzt ist sie nur noch daran zu erkennen, dass sie die Oberfläche des Teichs aufregt, ein wandernder Kreis etwa mit dem Radius einer sozialen Distanz. So zieht sie übers Wasser und um die kleine Halbinsel herum. Niemand bemerkt sie mehr außer einem Entenpaar, das empört auffliegt.

Hui! – Schön, eine Windhose. Ein Minitornado. Mit rosa Wangen ziehen wir weiter. Die anderen haben nichts mitgekriegt.

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