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2,5 Millionen

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Von: Sylvia Staude

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Auf jeden Menschen kommen etwa2,5 Millionen nützliche Ameisen. Da muss man aufpassen, dass man nicht drauftritt.
Auf jeden Menschen kommen etwa2,5 Millionen nützliche Ameisen. Da muss man aufpassen, dass man nicht drauftritt. © Peter Steffen/dpa

Haben Sie mal nachgesehen, von wie vielen Ameisen Sie umgeben sind? 2,5 Millionen davon gehören praktisch Ihnen. Die Kolumne „Times mager“.

Die hübschen kleinen Herbstmücken lassen sich, kaum erblickt, mit einer Hand fangen. Huch, damit hat der Mensch, der zur Hand gehört, nicht gerechnet. Soll man ihnen das nun vorwerfen, den Mücken, und wenn ja, was soll man ihnen vorwerfen? Dummheit? Langsamkeit, die vielleicht einfach nur Erschöpfung ist am Ende einer langen, äh, Saugesaison? Sträflichen Leichtsinn? Würden sie der Hand geschmeidig ausweichen, wäre es auch wieder nicht recht. Mistviecher!, würden sie dann gerufen.

Das Menschentier und alle anderen Tiere – ein weites und zunehmend beunruhigendes Feld, auf dem das Wort Schwund hässlich wuchert (über alle anderen aktuell beunruhigenden Felder heute nichts weiter). Also: Nimmt man einer Amsel, einem Fink eine zwar kleine, aber proteinreiche Portion weg, wenn man die Mücke tötet und auf den Teppich schnippt? Hätte man sie wenigstens aus dem Fenster werfen sollen, um sie der Erde und damit dem Kreislauf der Natur zurückzugeben? Zählt jede Mücke? Und wie zählt sie, wenn sie sich noch hätte vermehren können? Hätten ihre Nachkommen Familie Meise ein Kind mehr ermöglicht?

Der Kopf schwirrt angesichts des Mückenschwirrens. Dabei hat schon die Ameisennachricht, die uns vor kurzem erreichte, die Synapsen beschäftigt. Auch wenn wir nicht sagen möchten: über Gebühr beschäftigt, denn zweieinhalb Millionen Ameisen pro Mensch verdienen es, dass man sie ernst nimmt. Und ist erst einmal der Gedanke entstanden, jeweils 2,5 Millionen könnten sich gegen uns zusammenrotten ... etwa aus Rache fürs Drauftreten auf Kusine Kunigunde und Enkelin Hildegarde, als sie gerade eine just tot aufgefundene Mücke (Herzinfarkt?) in den Bau tragen wollten.

Ein Forscherteam an der Uni Würzburg hat sich jetzt die Neigung der Formicidae zunutze gemacht, hintereinanderzulaufen (Ameisenstraße!) und fein säuberlich durchgezählt. Nein, das ist natürlich geflunkert: 489 Ameisen-Studien aus aller Welt wurden in einer Datenbank zusammengeführt. Sabine Nooten, Erstautorin der neuen Studie, fasst zusammen: „Nach unseren Schätzungen beläuft sich die weltweite Ameisenpopulation auf 20 mal 1015 – also 20 Billiarden Tiere. Das ist eine 20 mit 15 Nullen, was schwer zu fassen und einzuschätzen ist.“

In der Tat. Die erste Reaktion: völlig unmöglich, da müsste sich ja hinter jedem Grashalm ... Dann durch den Garten geschweift. Hier, auf dieser verlausten Rosenknospe sind es schon drei – jetzt vier. Den Stängel entlang laufen ... Moment ... viele. Auch auf den Wicken herrscht Gedränge. Und erst am Boden. Warum ist uns das noch nie aufgefallen?

Bedeutet es am Ende, dass zum Dackel unsere quasi persönlichen 2,5 Millionen Ameisen kommen?

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