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Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Kolumne

Milchstraße

  • VonChristian Schlüter
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Während wir mit heiligem Ernst einigen republikbekannten Blödbacken religiös-philosophische Fragen der Extraklasse überlassen, bemerken wir nicht, dass uns dergleichen geradewegs ins wolkenkuckucksheimhafte Provinzabseits manövriert. Aber wir wollen ja nicht meckern...

Während sich in Deutschland der Kleinbürger einstweilen darin gefällt, mit großbürgerlicher Attitüde aufzutreten und seinem Ressentiment im Namen der christlich-jüdisch-abendländisch-aufgeklärten Leitkultur das Wort zu reden, während man vollkommen ernsthaft vollkommen blödsinnige Wertedebatten darüber führt, wer man denn nun sei oder gerne wäre, so als gäbe es hier tatsächlich einen Blumentopf zu gewinnen, während wir also mit heiligem Ernst einigen republikbekannten Blödbacken religiös-philosophische Fragen der Extraklasse überlassen und damit weder bemerken, dass uns dergleichen geradewegs ins wolkenkuckucksheimhafte Provinzabseits manövriert, noch einsehen, dass uns dergleichen wichtigtuerisch-weltabgewandte Aufgeblasenheit mit dem nächstbesten kleinsten Stich schon wieder teuer zu stehen kommen wird, während uns, um es endlich auszusprechen, die sozial-römische Dekadenzverzweiflung mitsamt ihrer migrationsverweigernden Hartz-IV-Eugenik so sehr beschäftigt, dass alles andere, auch noch die größte Schweinerei weit hinter unseren Aufmerksamkeitshorizont fällt und den Herrschenden jede Freiheit gibt...

Na gut, wir wollen nicht meckern, schließlich haben unsere amerikanischen Freunde auch gerade bewiesen, dass sie den Glauben an ihr Land verloren haben. Wer so bescheuert wählt und sich ins staatsferne, klerikal-individualistisch überhöhte Rette-sich-wer-kann flüchtet, hat keine Kraft mehr fürs große Gemeinschaftswerk, sondern erlahmt ebenso wie wir in Pathosformeln des nationalen Eigensinns. Anders gesagt: Die USA werden nie wieder auf dem Mond landen...

Schwamm drüber. Während wir uns also in den Provinzialismus verabschieden, dreht sich die Welt munter weiter. In der letzten Zeit gab es nur eine einzige – und eigentlich nur von Barack Obama angemessen gewürdigte – Meldung von welthistorischer Bedeutung: China hat den schnellsten Supercomputer der Welt gebaut. Der „Tianhe 1“ („Milchstraße 1“) verrät mit viel Selbstbewusstsein schon in seinem Namen, was das bedeutet: Das war die chinesische Mondlandung. Der Rest wird die Geschichte von unserem Niedergang gewesen sein.

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