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Das Abendmahl von Leonardo da Vinci. Leider nur für vorausschauende Menschen live zu sehen.

Times mager

Milano

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Mailand, wo es am Tag warm ist wie vorn auf dem Mond und nachts kühl wie hinten. Egal, Hauptsache Italien.

Immer die Frage nach der Lebensqualität, immer die Abwägung, besser hier oder lieber anderswo, und wenn anderswo: wo? Es ergab sich die günstige Gelegenheit zum Vergleich anlässlich des Kräftemessens zweier Fußballmannschaften in Italien. Mit euphorisierendem Ausgang für die Anreisenden, wozu der Ort des Geschehens aber auch in Portugal, England oder Aserbaidschan hätte liegen können.

Abseits des Sportlichen zeigte sich Mailand als eine Stadt, in der man selbstverständlich bei Rot über die Straße geht, auch wenn Bambini dabei zusehen beziehungsweise schamlos an der Hand beim Übertreten der Regeln mitgeführt werden. Eine Stadt, in der die Autos durch Seitenstraßen rasen, Passanten weghupen, an Ampeln halb auf den Fußgängerüberweg rollen, bis der Fahrer unter Verrenkungen gerade noch die Lichtzeichenanlage im Blick hat, und auf Zebrastreifen parken. Es gilt hier noch das gute alte Orientierungssystem, in engen Lücken zurückzusetzen, bis man am Fahrzeug seines Nächsten andockt, lackierte Stoßfänger hin, lackierte Stoßfänger her.

Mailand, wo es am Tag warm ist wie vorn auf dem Mond und nachts kühl wie hinten. Milano, wo man ohne Ticket nicht in die U-Bahnstation hinein, aber auch nicht aus der U-Bahnstation hinaus kommt, falls man es bereits weggeschmissen hat. Wo man, ob mit Ticket oder ohne, auf den ca. acht Stockwerken verdurstet, die man von der Metrostation Dom nach oben an die Erdoberfläche klettern muss. Wo man, um das letzte Abendmahl der Herren L. da Vinci, J. Christus und seiner treusten Bewunderer in Augenschein zu nehmen, zwei Wochen zuvor ein Billett erworben haben muss. Nun.

Mailand auch, das seine Hotels gern nach legendären österreichischen Komponisten benennt, dort jedoch Heizungen installiert, die auch im ausgeschalteten Zustand noch kräftig heizen. Tag- und Nachtportier schildern mit exakt denselben englischen Sätzen, dass die Heizung im gesamten Haus abgeschaltet sei, es befinde sich lediglich Heißwasser darin, weil man ja schließlich im Bad gern welches hätte, oder etwa nicht, und zur Regulierung der Raumtemperatur könne man das Fenster öffnen. Draußen aber: Mailand, das klaglos hinnimmt, wie barbarische Horden auf dem Trottoir vor einer Sportsbar Fußballhymnen anstimmen bis tief in die Puppen. Nicht der Hauch eines Anwohnerprotests.

Attenzione. Wer nur „Dom“ in die Navigation seines Smartphones tippt, kommt beim Nachtklub namens „Dom“ an. Über dessen Qualität kann an dieser Stelle nicht geurteilt werden, wohl aber über die Qualität des Mailänder Caffés (nicht Espresso) für sage und schreibe 1 Euro: molto bene.

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